Terrorismus in unseren Städten – sind Terroristen „feige“? #ParisAttacks

Ich halte es für falsch, die Terroristen als „feige“ zu bezeichnen. Wir reden von Menschen, die in der vollen Bereitschaft, jetzt und hier ihr Leben zu verlieren, ihre grausamen Taten verüben. Sie haben keinen Rückfahrschein, es gibt keine „Exit-Strategie“, keine Chance, den Einsatz zu überleben. Für sie gibt es keine Rückkehr in die Basis, kein Debriefing, keine Heimkehr zu ihren Familien, die auf sie warten.

Man kann, man MUSS die Taten dieser Menschen wahnsinnig nennen. Man kann, man muss sich fragen, was in der Psyche eines Menschen kaputt gegangen ist, dass er bereit ist, diesen Schritt zu vollziehen. Man kann, man muss die menschenverachtende Ideologie hinterfragen, die solche Taten hervorbringt.

Aber ich kann NICHT nachvollziehen, wie dieselben Journalisten, die in irgendwelchen transatlantischen Sicherheits-Verbindungen tätig sind, jetzt diese Menschen „feige“ nennen. Diese Journalisten, die sich dafür, dass sie „mit dabei sein dürfen“ an die mächtigen Kriegstreiber und -profiteure heransschmeicheln, ohne an dieser wichtigen Stelle mal die richtigen, schmerzhaften Fragen zu stellen und natürlich zu veröffentlichen, die nenne ich „feige“.

Dieselben Politiker, die sehr schnell leise werden, wenn man sie fragt, was sie denn dagegen tun wollen, dass ihr Lieblingsverbündeter, die USA, von Ramstein aus Drohnenmorde koordinieren. Diese Politiker nenne ich „feige“

Und wenn der Terrorist, der, wenn er die Tür hinter sich schließt genau weiß, dass er die Sonne nie wieder sehen wird, „feige“ genannt wird – wie sollen wir denn dann den pflichtbewussten Soldaten, der in seiner klimatisierten Drohnensteuerungsanlage auf „OK“ klickt, wenn sein Algorithmus ihm sagt, dass der Pixelhaufen auf dem Display ein Terrorist ist, nennen? Der Soldat, der nach Dienstschluss aus seiner Kammer steigt, nach Hause fährt, zu Frau und Kindern? Der gerade mit einem Mausklick mehrere Menschen auf der anderen Seite der Welt getötet hat, und nicht mal in die Gefahr geriet, sich den Knöchel zu verstauchen? Sollte man das nicht „feige“ nennen?

 

Es gibt natürlich durchaus einen Aspekt am Selbstmord-Terrorismus, der „feige“ genannt werden kann. Nämlich die Tatsache, dass Terroristen sich arglose Gegner aussuchen. Menschen, die in keinster Weise kampfbereit sind, die in diesem Moment im Waffenvergleich völlig unterlegen sind.

Also genau das gleiche, was wir in Afghanistan, Jemen, Irak, Syrien, Libyen und an zig anderen größeren und kleineren Brandherden machen.

Wer ist hier der größere Feigling?

Dortmund, 151114_1430

B.

 

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