Fefe und sein eigener kleiner Shitstorm

Der von mir gerade erst erwähnte Fefe wird ja im Moment wegen seiner Anti-Piratenpolemik extrem angegriffen. Kann ich nicht nachvollziehen. Fefe schießt gegen alles und jeden. Und zwar immer mit Kanonen auf Spatzen. Der kennt keine Verhältnismäßigkeit, kein Maß; wenn er etwas scheiße findet, dann kotzt er sich darüber richtig aus.

Ist es nicht genau das, was wir Fefe-Leser an ihm schätzen? Ein gewisser Unterhaltungswert?

Fefe und sein Blog sind ein wunderbares Beispiel für selbst angewandte Filterkompetenz: Fefes Blog ist in seinen besten Momenten unglaublich schnell und informativ. Bei aller Polemik hat Fefe die Gabe, wesentliche Details auch aus größeren und komplizierteren Artikeln zu extrahieren und in zwei, drei knackige Sätze zu packen.

Und wenn Fefe mal nicht informativ ist, ist er unterhaltsam. Ich mag es, wenn er mal wieder wie ein Rohrspatz über etwas schimpft. Mich amüsiert es immer wieder erneut. Manchmal teile ich seine Meinung, manchmal nicht.

Und Fefe ist  – abgesehen von seiner Mitgliedschaft beim CCC, den er etwas sanfter anpackt, aber auch nicht unbedingt ausspart – politisch weitgehend unabhängig. Er richtet seine Wut gegen alles und jeden, der ihm vor die Tastatur kommt.

Nun halt die Piraten. Naja, das ist dann halt so. Stefan Sasse hat mal in einem Artikel analysiert, dass bei Linken und Progressiven viel stärker der Hang da ist, eine leichte Abweichung vom Kurs, ein Stottern im Fortschritt als hochgradigen Verrat anzusehen, der mit Schimpf und Schande belegt wird, als etwa bei Konservativen.

Insofern könnte ich mir vorstellen, dass Fefe grundsätzlich mit Piraten und ihren Vorstellungen sympathisiert. Und sich wünscht, dass sich diese Vorstellungen gesellschaftlich mehr durchsetzen. Nur, nach einigen schnellen Achtungserfolgen und netten PR-Stunts kommt im Moment nicht viel, und vielleicht geht es Fefe jetzt nicht schnell genug. Und weil die Piraten dann eben nicht zu 100% dem entsprechen, was er sich vorstellt, tut er das, was er immer tut: er richtet seine Shitstorm-Kanone auf sie aus, stellt sie auf den „ich bin schwer, schwer enttäuscht“-Modus und ballert ein paar Breitseiten raus.

So what?

Ja, Fefe ist in der deutschen Nerd-Szene ziemlich einflussreich. Aber er ist auch nicht der uneingeschränkte Herrscher des vielkolportierten „Fefe-Zeitbinder-Botnets“. Lasst ihn doch ranten, das lieben wir doch an ihm.

Don Alphonso hat da auch noch ein paar Worte zu:

Ich mein, Fefe macht an keiner Stelle einen Hehl daraus, dass er voreingenommen ist. Steht so auch in seinem Blog. Fefe macht manchmal Fehler, ist bisweilen vorschnell, stark linkabhängig und mitunter sehr polemisch. All das in schönster Offenheit. Man muss schon den IQ einer degenerierten PR-atte haben, um das nicht zu verstehen. Den allermeisten dürfte klar sein, dass sie dort nicht die FAZ oder SZ lesen, sondern jemanden, der aus einer klar erkennbaren Ecke kommt und für seine Vorstellungen streitet. Und die nehmen dann das mit, was sie unter Einbeziehung von Fefes Haltung für richtig halten.

Zum Abschluss:

Klar darf man auch über Fefe ranten. Er kann gut austeilen, dann muss er auch einstecken können. Wenn ihr mit ihm nicht einverstanden seid, lasst ihn eure Meinung spüren, warum auch nicht.

Aber fragt euch auch: warum lese ich den eigentlich überhaupt? Habe ich mich nicht selbst schon gefreut, wenn er mal wieder genüßlich [hier Person/Organisation meiner Wahl einsetzen] mit einem wirklich fiesen Rant bedacht hat?

 

Nachtrag 120226_1250

Fefe zeigt in einem Interview mit Focus Online (besser hier die Langfassung des Interviews lesen), dass er Kritik auch vernünftig formulieren kann. Und ja, über das, was er da sagt, könnten wir Piraten durchaus mal nachdenken.

 

Dortmund, 120224_1825

B.

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