Die Ukraine-Krise zeigt: Putin ist ein kalter Autokrat, und wir im “Westen” sind stinkende, widerwärtige Heuchler

Noch mal etwas zur Ukraine-Krise. Ich muss da einfach mal was loswerden, sonst platze ich noch.

Natürlich ist Putin ein kalter, brutaler Diktator, der zum Erreichen seiner Ziele vor keinem Mittel zurückschreckt. Er scheißt auf Freiheiten und Minderheitenrechte.

Aber: bei Zeus, Apollo, Gott, Satan, Papa Schlumpf oder allem anderen, was euch irgendwie heilig ist:

HÖRT AUF EUCH ÜBER PUTIN ZU EMPÖREN, WENN IHR GLEICHZEITIG DER USA IN DEN ARSCH KRIECHT, IHR SCHEINHEILIGEN, WIDERWERTIGEN SCHLEIMBEUTEL!

Ich kriege echt das kalte Grausen, wenn ich die Medienberichte über die Ukraine-Krise sehe. Auf einmal ist DER GROSSE BÖSE RUSSE wieder DER FEIND. Hurra, wir haben ihn wieder. Was haben wir ihn vermisst.

Mal ehrlich:

  • der Westen expandiert seit 30 Jahren kontinuierlich immer weiter in Richtung Russland, wirtschaftlich und militärisch
  • geopolitisch und historisch macht Russlands “Bedürfnis” nach einer Pufferzone verbündeter Staaten und damit auch sein aktuelles Verhalten Sinn. Das macht es nicht ethisch oder moralisch korrekter, aber es ist auch keine sinnlose oder unbegründete Aggression
  • der Westen unter der Hegemonie der USA leistet sich seit 70 Jahren verbrecherische Kriege, Geheimdienstoperationen, wirtschaftliche Eroberungsfeldzüge
  • der Westen leistet sich mit Guantanamo einen “rechtlosen Raum” (Hurra, endlich kann ich diesen Begriff mal verwenden, ohne mich schäbig zu fühlen) sowie Folterlager in aller Welt. Und wenn die hochmoralischen Länder der EU wie unser ethisch korrektes Deutschland sich keine eigenen Folteraktionen trauen, sourced man die halt an die USA aus und bekommt halt die Ergebnisse so geliefert. Und was selbst denen zu heikel ist, sourced man eben an Partner in … wo auch immer aus. Hauptsache die Ergebnisse stimmen, und man macht sich die Hände nicht schmutzig
  • die USA spionieren die gesamte Welt aus. Wie wir mittlerweile wissen, ist das keine Übertreibung. Auch vor engen Verbündeten machen sie nicht halt. Spricht man sie darauf an, zucken sie mit den Achseln und machen weiter
  • dabei benimmt die GESAMTE VERFICKTE EU wie willfährige Helfer, die den USA das liefert, was sie wollen, wann sie wollen. Braver Hund. Sitz!
  • und wenn die EU mal nicht liefert, wendet sich die USA eben an einzelne Länder, macht bilaterale Abkommen. Die Liste der Länder, die geradezu darum betteln, den Speichel der USA für ein paar kleinere Handelszugeständnisse zu machen, ist lang.
  • immer wieder zeigen unsere eigenen Regierungen, dass sie jederzeit bereit sind, Freiheit und Gerechtigkeit ihrer eigenen Bürger zu opfern, wenn man dadurch die Interessen kleiner Gruppen (Geldadel, Industrielle) vertreten kann
  • unsere Mainstream-Medien spielen fröhlich mit, stilisieren DEN RUSSEN zur großen Gefahr und überraschen uns mit Sensationsmeldungen über die Bösartigkeit unseres neuen alten Gegners (“die Russen haben sogar Spione in Deutschland OMG!!!”)
  • Menschenrechtsverletzungen im eigenen Gebiet und faschistische Entwicklungen, zum Beispiel in Ungarn … naja, da kann man halt nichts machen. Weiter gehen, hier gibt es nichts zu sehen
  • bleiben wir in Deutschland: 60 – 70 % der Menschen in Deutschland (je nachdem, wie man rechnet) UNTERSTÜTZT ALL DIE OBEN GENANNTE SCHEISSE, indem sie die Wichser wählt, die genau dafür verantwortlich sind, also CDUCSUSPD, und die angekündigt haben, dass sie genau den Kurs weiterfahren wollen ODER ABER sogar noch verschärfen wollen (“wir brauchen auch dann Vorratsdatenspeicherung, wenn die EU sie nicht verlangt”).
  • und von dem Rest möchten 4 – 6% der Menschen (je nachdem, wie man rechnet) eine asoziale, ausländerfeindliche, nationalistische und in jeder Hinsicht erzreaktionäre und manchesterkapitalistische Partei wählen (ja, ihr Arschlöcher von der AfD, und ja, ihr Dummbratzen, die sie wählen: ich rede von euch)

UND IHR WOLLT EUCH ÜBER PUTIN EMPÖREN?

Ihr kotzt mich an!

Dortmund, 140424_1829

B.

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Über “Montagsdemos” und die ständige Nazi-Keule

Es gibt ja im Moment ziemlich viel heiße Diskussion um diese Montagsdemos und den Motiven und Hintergründen, die ihren Organisationen und Teilnehmern unterstellt werden.

Bislang habe ich mich da völlig ferngehalten, da mich die Vehemenz der streitenden Parteien auf beiden Seiten eher abstoßen. Zum einen die Befürworter, deren Anhänger sich gelegentlich in Verschwörungstheorien versteigern, die ich dann doch gelegentlich … befremdlich finde (wobei man schon sagen muss, dass gerade eine gute Zeit für Verschwörungstheorien herrscht).

Zum anderen die Gegner, die geradezu mit Schaum vor dem Mund keine Gelegenheit auslassen, um die Nazi-Keule zu schwingen, krampfhaft versuchen, jedes Wort und jede Aktion möglichst in ihre Richtung hin zu interpretieren. Da sich dieser Personenkreis häufig mit denen überschneidet, die ich im Piratenumfeld als “Nazi-Hysteriker” bezeichne, und die selbst sehr gerne dazu neigen, eine geradezu faschistoide Haltung an den Tag zu legen, wenn jemand nicht ihrer Meinung ist, bin ich gerade doppelt vorsichtig, was die Bewertung ihrer Argumente angeht.
Wenn ich mir ansehe, wie viel Energie darin gesteckt wird, die Teilnehmer und Redner zu Nazis zu stilisieren, denke ich, muss man wirklich vorsichtig sein.

Dieser Artikel ist ein Beispiel: der Autor möchte beweisen, dass einer der Redner, Jürgen Elsässer, ein Nazi ist. Der Name Elsässer ist mir in der Argumentation gegen die Montagsdemos mehrfach aufgefallen. Bislang habe ich mich dieser Person noch nicht wirklich beschäftigt und versuche, mal nur die Argumentation des Autors nachzuvollziehen:

Sie klatschten und jubelten immer noch, als der Herausgeber eines angeblich zeitkritischen Magazins sich zu antisemitischen Verschwörungstheorien verstieg: „Das Verbrechen hat Anschrift und Telefonnummer. Und man kann doch durchaus auch einige Namen nennen. Wer gehört denn zu dieser Finanzoligarchie? Die Herren Rockefeller, Rothschild, Soros, Chodorkowski, das englische und das saudische Königshaus. Und warum soll es Antisemitismus sein, wenn man darüber spricht, wie diese winzig kleine Schicht von Geldaristokraten die Federal Reserve benutzen, um die ganze Welt ins Chaos zu stürzen?“

 
Ok, Elsässer sei also ein Antisemit, weil er eine von ihm definierte Finanzoligarchie kritisiert. Dabei zählt er eine Reihe von Personen bzw. Personengruppen auf, von denen zwei (Rothschild, Soros) jüdischen, zwei protestantischen (Rockefeller, das englische Königshaus), eine islamischen (das saudische Königshaus) Hintergrunds sind, während Chodorkowski kommunistisch erzogen wurde.
Einen antisemitischen Hintergrund kann ich hier nicht erkennen, außer man möchte das universelle nukleare Overkill-Argument “Antisemitismus” jetzt dahin umdeuten, dass jeder, der eine bestimmte Art von Geldadel (der real existiert, oder will der Autor das bestreiten?) kritisiert, ein Antisemit ist, weil andere Menschen, die eine solche Geldelite kritisieren, gerne von “jüdisch-kommunistischer Geldverschwörung” gefaselt haben (oder das immer noch tun). Kann ja sogar sein, das Elsässer das anderswo macht – hier jedenfalls nicht.

Ach, und zu dem ganzen irgendwie religiös Aufgeladenen: ich denke, dass all diese Geldoligarchen mal einen gepflegten Scheiß auf ihre verdammte Religion geben – in Wirklichkeit kennen sie nur einen Götzen, und das ist der Mammon. Und nicht einmal das, nicht einmal der Mammon in seiner goldgelben, grünlich papiernen oder elektronischen Form – nein, sie wollen MACHT, Einfluss, und vor allem deren Sicherung und den Fortbestand. Meiner Meinung nach ist jeder Ansatz, diese Geldelite über einen anderen kulturellen oder gar religiösen Ansatz her zu erfassen, komplett zum Scheitern verurteilt.

Weiter im nächsten Satz:

Was das alles mit Frieden und der derzeitigen Gemengelage in der Ukraine zu tun hat, blieb unklar.

Ähm … ich bin kein Politikwissenschaftler und kein Historiker. Aber ich finde ein paar Zusammenhänge der Ukraine-Krise einleuchtend:

  • die EU/Europa, oder auch “der Westen, das westliche System”, wie man das immer nennen möchte, hat sich in den letzten 30 Jahren radikal nach Osten erweitert, und zwar sowohl wirtschaftlich (EU) als auch militärisch (NATO)
  • Russland bzw. die ehemalige UDSSR hat an allen Fronten verloren. Stück für Stück.
  • aus Sicht der EU/USA geht es hier hauptsächlich um wirtschaftliche Interessen: die ehemaligen Ostblockstaaten sind gern gesehene Lieferanten billigster Arbeitskraft, gleichzeitig Schatzkistchen, die man schön mit der gut eingeübten Methode “großzügig Dinge verkaufen, Schulden machen lassen, Schulden eintreiben, dabei Privatisierung erzwingen” ausplündern kann
  • aus Sicht Russlands geht es um mehr als nur wirtschaftliche Interessen: Russland verliert mit jedem weiteren Stück Land, was “an den Westen fällt” ein Stück Pufferzone. Und Pufferzonen gehören seit langem zur politischen und militärischen Sicherheitsdoktrin der Russen; der gesamte kalte Krieg drehte sich praktisch nur darum
  • man kann die wirtschaftlichen Interessen der EU/USA durchaus nachverfolgen und stößt dann immer wieder auf die gleichen Leute im Hintergrund: eben jene von Elsässer genannten Mitglieder einer “Geldaristokratie”

Nochmal: ich weiß nicht, was Elsässer sonst so von sich gibt. Für den Zweck dieses Artikels interessiert es mich auch nicht. Mich interessiert vielmehr, mit welch unlauteren Mitteln hier selbst ernannte Nazi-Jäger und Antifaschisten versuchen, ihre Argumente an den Start zu bringen.

Einige NPD-Mitglieder um den Landesvorsitzenden Sebastian Schmidtke waren jedenfalls auch im Publikum dabei und spendeten dankbar Applaus.

Gibt es eigentlich schon einen wissenschaftlichen Begriff für das gesellschaftliche Gebot im Range eines physikalischen Axioms: “wenn der Nazi das gut findet, muss ich es automatisch scheiße finden, egal um was es geht”?

Außerdem erlangte die „Montagsdemo“ auch in Bevölkerungskreisen Bekanntheit, die bisher kaum Kontakt zu politischen Sektierern und Verschwörungstheoretikern hatten.

Wenn die Intention des Autors ist, sich informierende Menschen von der Gefahr, die von Montagsdemos ausgeht zu warnen, finde ich, dass er spätestens hier sein Ziel verfehlt, indem er die Teilnehmer oder Organisatoren dieser Demos quer durch die Bank als politische Sektierer und Verschwörungstheoretiker (eine in der letzten Zeit meiner Meinung nach viel zu wohlfeil allgemein verwendete Abfälligkeit) diffamiert. Ich würde von einem informativ ausgerichteten Kommentar eine neutralere und zielgerichtete Argumentation erwarten (*). Aber so demaskiert man sich eben …

Dann beschäftigt sich der Autor mit Ken Jebsen. Der ist mir schon häufiger begegnet als Elsässer, von Ken FM weiß ich, dass er sich öfter in Argumentationen versteigert, die ich auch fragwürdig finde; ob sie so gefährlich und antisemitisch sind, wie sie aus der Antifa-Ecke gemacht werden, würde ich bezweifeln.
Wie auch immer: der Autor zitiert Jebsen und argumentiert an dessen Aussagen entlang:

„Die Wahrheit steht auf jeden Fall nicht in unseren Medien“, davon ist Jebsen gleich zu Beginn seines 23-minütigen Monologes überzeugt. Es gehe tatsächlich um Gas- und Schürfrechte, um die sowohl amerikanische als auch russische Firmen konkurrierten. Deshalb seien die westlichen Staaten dabei, jetzt ein neues Feindbild auf. Bei Ken Jebsen klingt das so: „In den letzten Jahren war der Russe für uns kein großes Thema, da war der Aggressor der Moslem, auch dort ging es natürlich um Öl und Gas. Jetzt haben wir die Moslems so ein bisschen im Griff, und jetzt ist vorübergehend eben Putin an der Reihe.“

Das Video ist voll von intellektuellen Kurzschlüssen. Gefährlich ist das alles deshalb, weil Jebsen mit Halbwahrheiten arbeitet. Immer wieder nennt er wahre Fakten und verspinnt sie mit Behauptungen zu kruden Deutungen. Beispiel: Tatsächlich hat sich der Protest in der Ukraine an der Ablehnung des Assoziierungsabkommen mit der Europäischen Union entzündet. Und wahr ist auch, dass die russische Regierung sich mit wirtschaftlichen Anreizen darum bemüht hat, die ukrainische Regierung für ihr Modell einer „Eurasischen Union“ zu gewinnen. Die neue Staatengemeinschaft soll 2015 gegründet werden. Jebsen stellt die angeblichen „Angebote“ an die Ukraine gegenüber. Die EU habe 600 Millionen Dollar „im Angebot“ gehabt, die Russische Föderation 25 Milliarden Dollar, eine Quelle nennt er dafür nicht. „Und dann hat sich das die Ukraine noch einmal überlegt“, bilanziert Jebsen.

So weit habe Jebsen also recht. Das deckt sich auch mit den Informationen, die ich so aus den Mainstream-Medien und einzelnen Blogs erfahren habe. Die zwischengeschobene, vorwurfsvolle Aussage, dass Jebsen keine Quellen zu seinen Angaben nennt, finde ich ein wenig unlauter, weil der Autor selbst seine eigenen folgenden Argumente auch nicht belegt.

Das ist allein schon deshalb falsch, weil die Europäische Union keine „Übernahmeangebote“ für einzelne Staaten macht, Russland übrigens auch nicht. Außerdem ging es um ein Assoziierungsabkommen, nicht um eine Vollmitgliedschaft.

Stimmt. Was die von der “westlichen Wertegemeinschaft” in den letzten 70 Jahren mehrfach erfolgreiche Methode “Land finanziell anfixen, Schulden eintreiben, Privatisierung erzwingen, ausbluten lassen” natürlich viel menschlicher und sauberer macht. Wir können ja mal so ein paar Länder in Süd- und Mittelamerika oder Afrika fragen, wie es ihnen mit dieser typisch westlich kapitalistischen Strategie ergangen ist, und ob es sie beruhigt, dass die USA ihnen nie ein “Übernahmeangebot” gemacht hat. Oder den Irak.
Ich finde übrigens, dass es hier einen interessanten Rückschluss zum oben erwähnten Chodorkowski gibt: als der Mann anfang des Jahres wie ein echter Dissidentenheld in Europa herumgereicht wurde, habe ich fast gekotzt (wenn man dagegen vergleicht, dass Edward Snowden kein Asyl in Europa bekommt): der Mann war ein raffgieriger Oligarch, der versucht hat, russisches Tafelsilber an US-Konzerne zu verscherbeln. Deswegen hat Putin ihn kaltgestellt, nicht wegen seiner “politisch andersartigen Meinung”. Denn dort hat der westliche Geldadel im maroden Russland genau das versucht, was sie schon mehrfach mit Dritte-Welt-Ländern versucht haben.
Tatsächlich ist Putin unter dem Strich – auch wenn er ein menschenrechtsverachtender, lupenreiner Diktator mit offensichtlichen Minderwertigkeitskomplexen ist – mit dieser Politik in seinem Land erfolgreicher, als der westliche Geldadel das gutheißen kann.
Und, nochmal: der Autor ignoriert in seinem verächtlich hinwegwischenden Argument die Tatsache, dass es gerade für Russland eben nicht nur um eine wirtschaftliches “Assoziierungsabkommen” geht, sondern um knallharte Sicherheitspolitik (s.o.).
Ich habe letztens mal gelesen (leider finde ich den Link gerade nicht), dass es angeblich bei den Verhandlungen um die deutsche Einheit zu einer klaren Zusage der Westmächte an die UdSSR ging, dass es keinerlei wirtschaftliche oder militärische Ausdehnung der bestehenden Bündnisse nach Osten geben würde.
Nun, was soll man sagen …

Gerade im Fall der Ukraine wäre der Weg bis zur Vollmitgliedschaft in der EU noch sehr lang

… was meiner Einschätzung nach bei der verzweifelten Suche der EU nach Rohstoffen und vor allem Energieträgern mal so gar kein Argument ist, sich ein Land nicht schon mal vorzeitig wirtschaftlichen und politischen Einfluss zu sichern – und eben diesen Prozess vielleicht auch langfristig voranzutreiben.

Der frühere Radiomoderator sagt, dass die deutschen Medien von „Washington aus“ gelenkt würden. Er vergleicht die deutsche Medienlandschaft mit der gleichgeschalteten Nazipresse im Zweiten Weltkrieg. Die CIA habe die Axel Springer AG mitgegründet, Krieg werde in der Öffentlichkeit schön geredet. Er spricht darüber wie über Fakten.

Fakt ist, dass die Mitarbeiter des (leider) einflussreichsten deutschen Medienverlages, der besagten Axel Springer AG quasi per Arbeitsvertrag verpflichtet werden, “Transatlantiker” zu sein. Es gehört mit zum Berufsethos des Springer-Verlages, dass sich immer im Sinne eines guten Verhältnisses zu den USA bemüht werden muss.
Tatsächlich ist der Nazivergleich von Jebsen, so er ihn denn so getan hat, natürlich wie die meisten Nazi-Vergleiche völlig fehl am Platz. Wir haben mehrere große überregionale Verlagshäuser, jeweils mit einer eigenen politischen Ausrichtung und einer eigenen Agenda.
Rein subjektiv bestätigt sich aber für mich dabei das Bild, dass die deutsche Medienlandschaft stark zentralisiert ist, von wenigen großen Playern beherrscht wird, die als Gatekeeper und Wahrheitsdefinierer agieren und agieren wollen. Insgesamt überwiegt in meinen in den deutschen Medien Augen eine eher konservative Richtung (auch ehemalige Sozi-Blätter wie die WAZ sehe ich als konservativ an), und tatsächlich empfinde auch ich die Berichterstattung in den deutschen Medien insgesamt als unausgewogen und nicht informativ genug. Aus der Blogosphäre habe ich in den letzten Jahren erheblich mehr gelernt und bin erheblich besser informiert worden, als aus den Mainstream-Medien.
Dass Krieg in der Öffentlichkeit schöngeredet wird liegt unter anderem aber auch, dass z.B. vom deutschen “Abenteuer Afghanistan” nur vielleicht 10% von dem bei uns ankommt, was wirklich passiert (hier habe ich persönlich bessere Informationen). Das ist politisch gewollt – denn wir haben ja einen Bundespräsidenten, der, getragen von einer großen konservativen Koalition, kriegspredigend durch die Lande zieht. Denn wir müssen ja wieder “Verantwortung zeigen” …

Am erschreckendsten ist aber, dass bei „KenFM“ die ukrainische Bevölkerung keine Rolle spielt. All die politischen Gegensätze, das Miteinander und Gegeneinander von Nationalisten und Pro-Europäern, die Hoffnungen der Idealisten, die (bisweilen dilettantischen) Bemühungen der Übergangsregierung, eine neue Ordnung aufzubauen – das interessiert Jebsen nicht. Die Ukraine ist für ihn ein Schachbrett, auf dem ein Konflikt zwischen Nato und Russland stattfindet.

Ehrlich, ich höre im Hintergrund die dramatische Filmmusik bei diesen pathetischen Worten …
Ich denke, man kann sich dem Ukraine-Konflikt, wie jedem ernsthaften Konflikt, auf zweierlei Weise nähern: emotional und analytisch. Beides ist wichtig, beides hat seine Berechtigung. Natürlich ist es wichtig, dass mutige Reporter vor Ort dramatische, emotionale Bilder machen um das Leid der Menschen aufzuzeigen, die direkt davon betroffen sind (komisch übrigens, dass das nur sehr selten in deutschen Mainstream-Medien passiert, wenn in Griechenland Kinder verhungern, Kranke auf den Straßen verrecken, alles im Namen der merkeldeutschland-getriebenen europäischen Austeritätspolitik). Natürlich ist es wichtig, Menschen in aller Welt dafür zu sensibilisieren, wie die Betroffenen unter dem Chaos leiden. Vor allem wäre es wichtig, wenn der Geldadel sich das mal ansehen würde, aber für die ist das vermutlich nur Zeitverschwendung.

Es ist aber genau so wichtig, zu versuchen, die Lage mit kühlem Blick zu beobachten, zu versuchen, Hintergründe zu analysieren. Wenn global agierende Machtblöcke sich aneinander reiben, Machtspielchen treiben, versuchen, sich gegenseitig zu übervorteilen, sind IMMER Menschen die Leidtragenden (auch wir hier im heimeligen, ach so friedlichen Deutschland, wir merken das nur nicht so schnell). Politik auf Weltebene ist nie von Regeln geprägt und im Grunde ihres Daseins anarchistisch: rechtlos, gesetzlos, ohne die Möglichkeit des Eingreifens einer ordnenden Macht.
Das gilt es durchaus zu beleuchten und zu beschreiben – denn mit genügend Bewusstsein bei einer breiten Menschenanzahl, könnte man nämlich DOCH versuchen, etwas daran zu ändern.
Und dabei sind beide Herangehensweisen an eine Berichterstattung oder Analyse hilfreich.

Und mal ehrlich, lieber Autor: glaubst du wirklich, dass für Putin oder die führenden US-Politiker und Finanzmagnaten in aller Welt die Ukraine (oder jedes andere Land außer dem Heimatland natürlich) etwas anderes ist, als ein Schachbrett für das Spiel um eigene Interessen? Finden sie wirklich, dass es erschreckend ist, wenn ein politischer Kommentator diese Tatsache ausspricht? Oder ist ihre vorgeschobene Naivität nicht eher ein rhetorisches Mittel, um Ken Jebsen als schlechten, zynischen Menschen darzustellen?

Wahrscheinlich ist das der Kern der „Friedensbewegung“ von Potsdamer Platz: Es geht nicht um andere. Wahrscheinlich geht es noch nicht einmal um Frieden. Es geht vor allem um uns.

Polemik. Man könnte an dieser Stelle argumentieren, dass eine Friedensbewegung nicht zwingend im Kern altruistisch sein muss. Ich kann Frieden wollen, damit ICH Frieden habe. Ich kann durchaus zu dem Gedanken kommen, dass auch mir selbst sehr wohl gedient wäre, wenn es Frieden auf der Welt gäbe. Man kann auch aus Egoismus Gutes tun.

Die derzeit so populäre Wut auf Führungseliten in Politik, Wirtschaft und Medien, gemischt mit dem schlechten Gewissen vieler Menschen wegen des moralischen Versagens westlicher Nationen im „Krieg gegen den Terror“. Begleitet von Kriegsangst, Verschwörungstheorien und einem Schuss Bewegungshype: Fertig ist der Cocktail, der gerade all jene besoffen macht, die sich allzu aufgeklärt fühlen.

Mich würde ja wirklich der Gegenentwurf des Autors interessieren. Da er ihn nicht liefert, muss ich ihn zwischen den Zeilen erkennen: alles ist gut wie es ist, weiter so?
Kannst du so sehen. Mich treibst du mit dieser Argumentation eher in die Arme der Montagsdemonstranten. Wenn es das ist, was DU wolltest, Glückwunsch.
Oder wünscht du dir nur eine differenziertere Kritik an den Begebenheiten anstelle von “populärer Wut”? Das fände ich interessant, weil ich vielen von den Montagsdemonstranten auf Facebook oder Twitter folge und seit Jahren über diese Menschen sehr viel differenzierte Ansichten bekommen habe. Diese Menschen, die du also hier quer über einen Kamm scherst, was dann wieder das Gegenteil von differenziert … ach, lassen wir das.

 

(*) Kurze Reflektion: ich tu das selbst nicht (neutral und zielgerichtet argumentieren, um Menschen zu überzeugen). Ich rante und kotze mich über Dinge aus, die mir stinken. Also erlaube ich mir auch, stark wertende Begriffe, wie “selbsternannte Nazi-Jäger und Antifaschisten” zu verwenden. Ich tu das, weil ich damit meine Wut und meine Verachtung, oder, etwas milder, mein absolutes Unverständnis auszudrücken. Ich lebe dann aber auch damit, wenn andere Leute meine Artikel nicht lesen oder sie mit “geiferndes Geschwafel” abtun. Mir doch egal ;-)

 

Dortmund, 140423_0846

B.

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Über #Bombergate, Menschen mit Gesichtern, Täter und Kriegsopfer

Dies ist ein sehr persönlicher Beitrag.

Wenn man lange Diskussionen über Verbrechen, Gewalt oder andere schlimme Dinge verfolgt, kommt häufig der Punkt, an dem irgendjemand die eine oder andere persönliche Geschichte erzählt – um Opfern oder Tätern ein Gesicht zu geben, im Situationen zu Illustrieren, um zu verdeutlichen, dass hinter abgehobenen Diskussionen menschliche Schicksale stehen.

Hier möchte ich von meinen Großeltern erzählen – reale Menschen mit Namen und Gesichtern.

Ich bin 37 Jahre alt und hatte das große Glück, alle meine vier Großeltern erlebt und kennen gelernt zu haben.

Alle vier sind nach 1920 geboren, waren bei Ausbruch des Krieges noch unter 20 Jahre alt. Alle wurden in den Kriegsjahren “erwachsen” und haben am Krieg aktiv teilgenommen.

Einer meiner Großväter kam aus dem Ruhrgebiet, war Bergmann und Mechaniker. Nach dem Krieg Sozialdemokrat, ob er dies schon in seiner Jugend war, weiß ich nicht. Vermutlich nicht, alleine die Zeit wird das unmöglich gemacht haben. Aber Sozi zu sein war auch eine Art Familientradition – wie häufig im Pott. Er begann den Krieg im Reichsarbeitsdienst, war später Soldat an der Westfront. Er sprach nie davon. Nur einmal, erinnere ich mich,  erzählte er eine Begebenheit aus Holland – er war gezwungen, an einer Erschießung von “Partisanen” teilzunehmen. Er rang bei der Erzählung mit den Worten und musste weinen. Die Erlebnisse müssen ihn sein Leben lang begleitet haben. Ich schätze, dass er Taten wie diese selbst als Vergewaltigung empfunden hat. Er hat es zwar nicht so ausgedrückt, aber es klang deutlich aus seiner Stimme hervor – das ist es, was ihr aus mir gemacht habt. Ich hatte keine Wahl, ich hätte mein Leben geben müssen.
Er war nie Nazi, war nur ein junger Mann, der früh Verantwortung für eine junge Familie übernehmen musste und versuchte, den Wahnsinn irgendwie zu überleben. Ich sehe ihn mehr als Opfer eines grauenhaften Krieges als als Täter.

Eine meiner Großmütter war eine junge Frau, die schon als Kind sehr klug und intelligent war. Sie hätte genug Begabung gehabt, eine höhere Schule zu besuchen, zu studieren vielleicht. Das ging leider nicht, da sie, wie damals üblich, ihre kranke Mutter versorgen musste. So ging es dann auch bei ihr so, wie es vielen anderen Menschen zu jener Zeit ging: früh verheiratet, früh Verantwortung für die Familie übernehmen. Keine Wahl, das Leben musste pragmatisch angegangen werden. Sie brachte den Krieg so gut es ging hinter sich. Sie sprach nie davon, was, wen und wie viel sie verloren hat – sie war nicht die Person, die der Vergangenheit zu viel beigemessen hätte. Trotzdem – sie war Opfer eines Krieges, mit dem sie nichts zu tun gehabt hätte.

Einer meiner Großväter war wohl das, wo die in gewissen Kreisen wohl gern verwendete Bezeichnung “Naziopa” am ehesten zutrifft: er war Belgier, genauer gesagt Flame. Als Kind wurde er Zeuge vieler Ungerechtigkeiten, die das seltsame Staatskonstrukt Belgien mit seinen zwei großen “Volksgruppen” erzeugte. Interessierte mögen sich hierzu mal ein paar Artikel zu “Wallonen” und “Flamen” durchlesen. Wie auch immer, reale und gefühlte Ungerechtigkeiten waren dominant in seiner Sozialisierung. Ich wette, dass viele heutige Linke ähnliche Dinge erleben, nur mit anderen Ergebnissen – ihn machte es zu einem flämischen Nationalisten und überzeugten Anti-Kommunisten. Als der Krieg ausbrach, lockte die deutsche Propaganda Belgier beider Landesteile damit, als Hilfstruppen an deutscher Seite zu kämpfen – Hitler versprach ihnen dafür, nach dem Krieg den belgischen Staat aufzulösen und ihnen eigene Staaten zu geben (Ha, Ha), so dass sie endlich von den “verhassten Anderen” getrennt seien.
Mein Großvater fiel auf diesen Humbug rein und bezahlte das vielfältig – zum einen mit Erlebnissen in Stalingrad, zum anderen mit einem Lungensteckschuss und vielen schweren Narben, die ihn bis an sein Lebensende begleiteten. Karma scheint manchmal durchaus real zu sein, und so konnte dieser meiner Großväter nach dem Krieg für viele Jahre nicht zurück in seine Heimat. Er wurde als ein Verräter angesehen, ein Kollaborateur, also blieb er in Deutschland und baute sich ein neues Leben auf.
Er war ein Täter, aber er war auch jung, beeinflussbar. Er schien das, was man ihm erzählte, geglaubt zu haben. Er war Täter, er trägt für seine Entscheidung die Verantwortung. Er hätte sich anders entscheiden können. Und doch, ein wenig war auch er Opfer.

Eine meiner Großmütter war Sudetendeutsche. Wie alle anderen wurde sie aus ihrer Heimat vertrieben. Auf der Flucht taten ihr Rotarmisten … unaussprechliche Dinge an. Ein jeder möge in die einschlägige Literatur blicken und sich selbst ein Bild davon machen, was das bedeutet. Sie war sehr jung, kam aus irgendeinem Bauernkaff. Nein, sie war nicht Schuld. An nichts. Sie war nur zur falschen Zeit am falschen Ort. Sie war ein Opfer.

Alle meine Großeltern sind mittlerweile gestorben. Ich hatte das große Glück, sie alle gekannt zu haben. Sie alle haben mich mit aufgezogen, ich wohnte mehrere Jahre bei einem Großelternpaar. Sie halfen mir, so gut sie konnten, über alle Widrigkeiten hinweg und ermöglichten mir trotz allem eine gute und unbeschwerte Jugend. Sie alle haben mich geprägt, haben viel dazu beigetragen, was ich heute bin. Ich habe meine Großeltern geliebt. Sie leben in mir weiter.

Ich habe mich schon sehr früh mit Geschichte, vor allem dem zweiten Weltkrieg auseinander gesetzt. Zunächst aus nerdhaftem Technikinteresse, dann aus ehrlichem Geschichtsinteresse. Ich habe lange versucht, die Generation meiner Großeltern zu verstehen, ihre Motive, ihre Möglichkeiten, ihre Schuld. Wenn ich den Mikrokosmos meiner eigenen Familie betrachte, sehe ich einen gewissen Querschnitt. Sie haben Schuld auf sich geladen, waren auch selbst Opfer.

Ihre Rolle in der Zeitgeschichte zu fassen ist nicht in einem Wort, einen Satz möglich. Deswegen habe ich mich immer geweigert – und tu dies auch heute noch – diese Rolle einseitig zu pauschalisieren, als Täter oder als Opfer.

Ich lasse es nicht zu, wenn sich Menschen aus dieser Zeit aus der Verantwortung stehen. “Ich habe nichts gewusst” – nein, das akzeptiere ich nicht. Zumindest das Zugeständnis “ich habe es gewusst, habe es aber verdrängt” möchte ich von diesen Menschen hören (sofern sie noch leben). Und ja, das akzeptiere ich. Denn nicht jeder Mensch ist zum Helden oder Märtyrer geboren – und was mit Aufständischen, Deserteuren, Befehlsverweigerern oder auch nur “Zersetzern” im dritten Reich geschah wusste jeder.

Ich lasse es aber auch nicht zu, dass sie pauschal zu Mördern und Tätern gebrandmarkt werden, zu Menschen, die generell den Tod durch Brandbomben verdient haben, nur weil sie zur falschen Zeit geboren wurden. Ich lasse nicht zu, dass Menschen, die ich geliebt habe, und denen ich sehr viel zu verdanken habe, von Spätgeborenen, die mit einer ekelerregenden Arroganz über Zeiten richten, die sie selbst nie erlebt haben, so widerwärtig verhöhnt werden.

Ich verstehe durchaus den Sinn von Provokation, ich selbst bin kein Kind von Traurigkeit. Aber wer austeilt, muss einstecken können, wer Provokation betreibt, antagonisiert, schafft sich Gegner und Feinde.

Nun, so seid ihr eben meine Gegner. In meiner Partei. Und ich werde euch bekämpfen. Oder gehen, wenn mir der Kampf sinnlos erscheint. Mal sehen, wie sich die Lage entwickelt.

Ich will gar nicht auf den eigentlichen Hintergrund des Richtungsstreits bei den Piraten eingehen – tatsächlich ist #bombergate nur eines von vielen Symptomen, die es meiner Meinung nach erforderlich machen, dass ein Teil von uns geht und an anderer Stelle weiter macht.

Ich schreibe diesen Eintrag hier nur für mich selbst, und um mal eine Seite zu beleuchten, die ich bis jetzt in vielen, vielen Blogeinträgen, Statements, Tweets oder FB-Kommentaren noch nicht so ausführlich gesehen habe.

Dies ist ein sehr persönlicher Beitrag. Er ist nur als reines Statement zu werten. Ich will keine Diskussion und keine Bemerkungen unter diesem Beitrag, deswegen deaktiviere ich die Kommentare. Vor allem auch aus Selbstschutz – ich erwarte eh nichts Gutes von euch. Und das sagt eigentlich schon ziemlich viel …

Dortmund, 140224_2006

B.

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Lebenszeichen

Ich habe jetzt über sieben Monate lang nichts mehr geschrieben.

Es gab genug, leider fast nur Negatives, Ärgerliches, Frustrierendes und Deprimierendes, was ich über diese Welt hätte schreiben wollen, habe es aber dann doch nicht getan.

Ist vermutlich auch besser so – gibt genug Gemecker und Gerante im Internet.

Jetzt hat sich etwas angestaut, was ich so dringend loswerden möchte, dass ich mein Schweigen breche.

Im nächsten Post …

Dortmund, 140224_1851

B.

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Die USA sind kein Rechtsstaat, die USA sind ein verbrecherisches Terrorregime

Edward Snowdens Antrag auf Asyl ist auch in Deutschland abgelehnt worden. Dies war zu erwarten. Natürlich gibt es in Deutschland keinen Politiker, der genug Arsch in der Hose hat, sich mit den USA anzulegen.

Wir haben diverse Auslieferungsabkommen mit der USA.

Ja und? Dann setzt man dieses Abkommen halt aus.

Das geht nicht? Klar geht das.

Es ist nicht so, als wären diplomatische Regeln so etwas wie Naturgesetze. Man kann sie ändern, wenn sie einem nicht passen.

Aber wir sind doch ein Rechtsstaat, sagen einige. Aber die USA sind doch auch ein Rechtsstaat, sagen andere:

Zuvor hatte Friedrich noch erklärt, man habe sich entschieden zu prüfen, ob eine Aufnahme aus humanitären Gründen möglich sei. Allerdings zeigte er sich von Anfang an skeptisch. Da die USA ein Rechtsstaat seien, werde die Entscheidung am Ende wohl nicht nach humanitären, sondern nach politischen Erwägungen getroffen.

Die USA sind ein Rechtsstaat?

Falsch! Continue reading

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Deutsche Vereinsmeierei

Ich las gerade bei Cicero einen Artikel einer jungen Tschechin, die sich über die deutsche Neigung verwundert, alles in Vereinen und Clubs zu organisieren, ja, dass man gar nicht drum herum kommt, einem Club beizutreten, um z.B. ein wenig Fitness zu erlangen.

Der Artikel greift tatsächlich ein deutsches Phänomen auf – die Vereinsmeierei – verwendet aber schlechte Beispiele.

Das ist wirklich schade, da ein Blick in das deutsche Vereinswesen unglaublich viele amüsante, fremdschämwürdige und gelegentlich erschreckende Elemente hervorbringen würde.

In diesem Sinne würde ich die Autorin einladen, sich mal zu einer öffentlichen „Jahreshauptversammlung“ (eines der DEUTSCHESTEN Wörter, welches die deutsche Sprache je hervorgebracht hat) zu begeben. Was nehmen wir da für einen Verein? Keinen „Kleingartenverein“, das wäre zu offensichtlich und zu einfach. Keinen „großen“ Verein, also einen solchen, der in bestimmten Bereichen regional oder national an der Spitze mitspielt, solche Vereine sind häufig stark durchprofessionalisiert oder werden von finanzstarken Despoten geführt.

Nein, ich empfehle einen Fußball-, Handball- oder Schwimmverein einer deutschen Mittelstadt, deren erste Mannschaft maximal in der Regionalliga spielt.

DORT, liebe Autorin, finden sie die deutsche Vereinshölle. Continue reading

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Die „Digitalen Konquistadoren“ betreten #Neuland

Der im Netz meist rezipierte Satz des heutigen Tages ist vermutlich Angela Merkels „Das Internet ist für uns alle Neuland“.

 

Natürlich lachen wir „Digital Natives“ über diese Aussage laut und lange.

Dabei ist diese Aussage in einem anderen Kontext durchaus interessant. Kulturgeschichtlich ist das Medium Internet tatsächlich gerade erst geboren. Wir alle nehmen an dieser Entwicklung teil, und wie bei allen kulturellen Revolutionen der Menschheitsgeschichte sind wir noch dabei, mit uns selbst auszumachen, was alles in Ordnung ist und was nicht. Die längst noch nicht gelösten Fragen des Urheberrechts mit der Freiheit der Nutzer auf der einen und der Erwartung von Contentproduzenten nach fairer Bezahlung auf der anderen Seite, sowie die sich ständig verändernde Bedeutung von Privatsphäre zeugen offenen Fragen. Auch wir „Digital Natives“, die wir – zurecht – die Deutungshoheit in diesem Land beanspruchen, müssen zugeben, dass wir selbst noch nicht alle gesellschaftlichen Grenzen Neulands benennen können. Wir können definitiv von ihrem Input profitieren, in dem wir gemeinsam diese Grenzen erkunden.

 

Und das ist das Stichwort: gemeinsam!

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So seh’n Drohnen-Kriege aus … dankt dem Friedensnobelpreisträger Obama, ihr Maden!

Kurzer Realitätsabgleich: so sieht es aus, wenn der Friedensfürst Obama jede Woche beim “Terror Tuesday” entscheidet, wer durch seine Drohnen ermordet wird.

Der schönste Teil des Artikels ist übrigens, wenn der Pressesprecher erklärt, warum man den 16-jährigen Jungen ermordet hat: “Nun, er hätte halt einen verantwortungsbewussteren Vater haben sollen”. Ja, gut. wenn das so ist … dann zick zack, Rübe ab, so wie es sich gehört.

Fefe weist auf einen anderen Aspekt hin, der auch mich regelmäßig stört: natürlich passiert genau das jeden Tag zigfach: es werden in Afghanistan und Pakistan andauernd mehr oder weniger Blind Häuser und Autos von Drohnen beschossen, um einen VERDÄCHTIGEN zu töten, und jedes Mal sterben zig Unschuldige dabei, das Technokratenwort “Kollateralschaden” beschreibt diesen unendlichen Wahnsinn. Nur, darüber regt sich niemand auf. Sind ja keine Amerikaner. Man muss erst einen US-Bürger erwischen, damit man darüber berichtet.

Ehrlich – die Amerikaner haben anderen Nationen schon für weniger Bösartigkeiten Krieg, Tod und Bombenterror die Demokratie gebracht. Vielleicht sollten die Amerikaner mal als Weltpolizei kommen und den Amerikanern … verdammt …

Aber so ist wohl die schöne neue Welt. Ich kann Herrn deMaiziere und all die anderen Mords-Technokraten in der Bundeswehr und im Verteidigungsministerium gut verstehen, dass sie in diesem Spiel auch mitspielen wollen. Menschen mit minimalem Aufwand und möglichst geringem Eigenrisiko töten, das hat schon was. Man muss ja mit der Zeit gehen …

Dortmund, 130614_1910

B.

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Lobbyist von Klaeden – SPD und CDU überbieten sich gegenseitig in ihrer Schmierenkomödie

Natürlich ist der Wechsel von Eckart von Klaeden vom Staatsdienst direkt in die Lobbydienste eines Automobilkonzerns eine eitrige Ausgeburt des Lobbyismus, die an Widerlichkeit kaum zu überbieten ist.

Doch immer dann, wenn man glaubt, den Bodensatz erreicht zu haben, kommt jemand und beweist, dass man noch tiefer sinken kann.

Zum Beispiel die heuchlerische Selbstgerechtigkeit der SPD, die jetzt geradezu Schnappatmung verursachende Empörung verbreitet und gleich “Entlassung” des Staatsministers fordert.

Liebe Sozen … manchmal möchte man euch allesamt durch die Bank einfach nur übers Knie legen, und nach guter alter Tradition eurem rückseitigen Gedächtnis ein wenig auf die Spur helfen. Und euch daran erinnern, wer eigentlich den Drehtür-Effekt zwischen Wirtschaft und Ministerien maßgeblich gefördert hat (“klatsch, klatsch, klatsch, Schröder, klatsch, klatsch, klatsch”), und wer aus EUREN Reihen diese Option aufs Vortrefflichste genutzt hat  (“klatsch, Schröder, klatsch, Clement, klatsch”).

Und was von Klaeden angeht: der hat vermutlich eine große Rolle beim Abnicken des unsäglichen Leistungsschutzrechts gespielt – immerhin ist der Mann Staatsminister, und REIN ZUFÄLLIG ist sein Bruder Dietrich Lobbyist beim Springer-Konzern. Und als Netzaktivisten im Streit um das Leistungsrecht Informationen zu diesem wunderbaren Zufall erfragen wollten, wurden ihnen diese verweigert, weil “ein Einblick in Dokumente aus einem laufenden Verfahren den Erfolg des Verfahrens beeinträchtigen” würden.

Oder anders: von Klaeden hat seine Aufgabe “Internet kaputt machen und Geld und Macht in die Tasche von Springer spülen” zur vollsten Zufriedenheit seiner Herren und Meister erfüllt. Auf geht’s zur nächsten gesellschaftsschädlichen Mission. Es gibt noch viele gut gemeinte Umweltziele zu unterlaufen und Fortschritt auszubremsen. Alles im Sinne der Dividende.

Widerlich!

Ich denke, einige Namen sollte man sich einfach mal merken … für den Tag nach der Revolution …

So, das bisschen Auskotzen musste mal wieder sein. Wo ich den Text gerade noch mal überarbeite, merke ich, dass Martin Delius und Bruno Kramm all das oben gesagte noch viel besser ausdrücken konnten als ich. Tat trotzdem gut …

 

Dortmund, 130529_1820

B.

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“Prostiutionsparadies Deutschland” – Der Spiegel zeigt mal wieder, was Qualitätsjournalismus ist

Ich hatte heute so im Vorüberlesen bei SPON gelesen, was im aktuellen Print-Spiegel thematisiert wird.

Allein der tendenzielle Titel zog mir schon die Schuhe aus:

“Prostiutionsparadies Deutschland – Wie der Staat Frauenhandel und Prostitution fördert”.

Was kann man bei einer solchen Überschrift anderes erwarten als billigste polemische Meinungsmache auf BLÖD-Niveau?

Die Antwort: nichts. Hier kann man einen Blick hinter die Kulissen dieses … Prachtexemplars des deutschen Qualitätsjournalismus werfen.

Bitte allesamt lesen  und sich merken, wenn mal ein Spiegel- oder SPON-Schreiberling auf euch zutritt, liebe Piraten …

Dortmund, 130527_1915

B.

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