Großartigkeit des Tages: Jan Böhmermann und #Varoufake

Ich weiß, ich weiß, jeder hat es schon, jeder jubelt.

Aber wenn dieser unfassbar gute Medienhack nicht einen Ehrenplatz auf diesem Blog finden sollte, könnte ich auch gleich aufhören.

Egal, ob das jetzt selbst ein Fake ist oder nicht – ich schließe mich der Meinung von netzpolitik.org an: das war das Subversivste, was ich seit langem vom deutschen Fernsehen gesehen habe. Respekt, Herr Böhmermann.

Und nebenbei ist das kleine, gebührenfinanzierte Losermagazin damit schlagartig bundesweit bekannt geworden.

Auch hier gilt, Fake oder nicht, die wichtige Message hervorzuheben, und das bedeutet, Böhmermann hin und Satire her, warum der tolle Qualitätsjournalist Günter Jauch, der wohl deutscheste aller Deutschen vor Scham im Marianengraben versinken sollte:

Liebe Redaktion von Günther Jauch. Yanis Varoufakis hat Unrecht. Ihr habt das Video nicht gefälscht. Ihr habt einfach das Video nur aus dem Zusammenhang gerissen und nen griechischen Politiker am Stinkefinger durchs Studio gezogen. Damit sich Muddi und Vaddi abends nach dem „Tatort“ nochmal schön aufregen können. „Der Ausländer! Raus aus Europa mit dem! Er ist arm und nimmt uns Deutschen das Geld weg. Das gibt’s ja wohl gar nicht. Wir sind hier die Chefs! So!“ Das habt ihr gemacht.

Und der Rest ist von uns.

Ach so, und nebenbei: hier wird hervorragend technisch demonstriert, zu welchen Manipulationen heute selbst ein mit mäßigen Resourcen ausgestattetes Studio in der Lage ist. Wir sollten das in Zukunft bei so Sachen wie “Videobeweisen” berücksichtigen.

Dortmund, 150319_0011

B.

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Sir Terry Pratchett (1948 – 2015) – ein Nachruf (mit Fußnoten [1])

In Terry Pratchetts Scheibenwelt-Universum haben Hexen, Zauberer und Könige das Privileg, von TOD persönlich abgeholt zu werden.

Welches Privileg muss wohl dann der Schöpfer selbst haben? Wie muss man sich das vorstellen?

Vielleicht so, wie es sich auf Terrys eigenen Twitter-Account [2] darstellt:

AT LAST, SIR TERRY, WE MUST WALK TOGETHER. (tweet)

Terry took Death’s arm and followed him through the doors and on to the black desert under the endless night. (tweet)

The End. (tweet)

 

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Würde dich jemand vermissen? Wirklich? Wer? Und ab wann?

Ich höre gerade Steven Wilsons neues, erneut großartiges Werk “Hand.Cannot.Erase” und muss feststellen, dass mich wohl schon lange kein Kunstwerk mehr so berührt hat. Die Musik ist erwartungsgemäß großartig – Steven Wilson ist für mich aktuell der relevanteste Musiker überhaupt, ein Gesamtkünstler, Allrounder, der seinesgleichen sucht. Melancholisch, ein perfekter Mix aus Rock-Instrumentarium, Elektronik und Ambient-Klängen gibt es wohl kaum einen Komponisten, der es schafft, moderne, atmosphärische Musik zu erschaffen, die nicht ins Pompöse, Orchestrale oder Prätentiöse überschwappt. Großes, anspruchsvolles Kopfkino des 21. Jahrhunderts, dargeboten von Meistern ihres Fachs (Adam Holzmans Moog-Solo in “Regret #9″ ist fantastisch, so wie ich mich auch immer über Nick Beggs Chapman Stick-Einsprengsel freue).

All das wäre mir wohl einen “Großartigkeit des Tages”-Eintrag wert, aber das hier soll in eine andere Richtung gehen.

Denn für mich persönlich ist es der Hintergrund dieses Konzeptalbums, der mich emotional mitnimmt. Denn Wilson bezieht sich auf einen realen Fall, der sich in London ereignet hat, und der mir schon einmal begegnet ist:

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Über “sinnlose Jobs” und religiöse Verklärung von Arbeit

Hier möchte ich euch mal wieder einen Artikel zu einem meiner Lieblingsthemen ans Herz legen:

Sinnlose Jobs – wie Arbeit die Gesellschaft krank macht.

Im Grunde genommen fasst der Artikel recht kurz und knackig alles zusammen, was ich am Umgang unserer Gesellschaft mit Menschen und Arbeit kritisiere.

Einige besonders bemerkenswerten Sätze (von denen einige nicht vom Artikelautor selbst, sondern von dem ebenfalls großartigen Aufsatz On the Phenomenon of Bullshit Jobs“ stammen):

In unserer Gesellschaft scheint es eine allgemeine Regel zu geben, dass man um so schlechter bezahlt wird, je offensichtlicher die eigene Arbeit anderen Menschen nutzt.

und auf ein Gedankenexperiment, dem ich mich selbst immer wieder gerne hingebe, wenn ich mich mal wieder über unsere kranke Gesellschaft ärgere:

Was würde passieren, wenn diese gesamte Berufsgruppe einfach verschwinden würde?

Ich würde mir ja wirklich gern wünschen, dass – gerade in Deutschland, deren Bevölkerung sich mit einer bemerkenswerten Arroganz der protestantischen Arbeitsethik hingibt – mal mehr über den Sinn von Arbeit nachgedacht werden würde. Aber:

Weder im Kapitalismus, noch im Kommunismus fand eine Kritik der Arbeit selbst statt – und in beiden Systemen treten sinnlose Jobs in gleicher Weise auf, wenn auch aus anderen Gründen. Arbeit scheint etwas Unantastbares an sich zu haben – auch aufgrund dieses seltsamen moralischen Status der Arbeit, fällt eine deutliche Kritik offenbar schwer.

Sinnlose Arbeit ist in der Lage, Menschen in die Verzweiflung zu treiben, und doch hinterfragt dies kaum jemand:

In russischen Gefangenenlagern pflegte man Menschen dadurch zu brechen, dass sie 12-Stunden am Tag völlig sinnlose Arbeiten erledigen mussten – etwa Steine von einem Haufen auf den anderen und wieder zurück zu befördern. Während harte Arbeit allein die Menschen zwar erschöpfte, vermochte nur die offensichtliche Sinnlosigkeit des Tuns die Menschen wirklich zu zerrütten, wie man bald herausgefunden hatte. Es gibt wenig Furchtbareres für ein menschliches Wesen, als sein Leben mit etwas vollständig Sinnlosem zu verbringen.

Und doch tun es Millionen von uns, jeden Tag.

Natürlich gibt es durchaus Gruppen von Menschen, denen diese Sinnlosigkeitsfolter nutzt – nämlich zur Unterdrückung und Verdummung:

Die herrschende Klasse hat schnell erkannt, dass eine glückliche und produktive Bevölkerung mit einem Haufen Freizeit für sie eine tödliche Gefahr darstellt. Und die Idee, dass Arbeit an sich ein moralischer Wert zukommt, und dass jeder, der nicht bereit ist, sich für den Großteil seiner wachen Stunden irgendeiner Art von intensiver Arbeits-Disziplin zu unterziehen, auch nichts verdient, ist außerordentlich bequem für sie.

 

Abschließend muss ich fairerweise zugeben, dass ich selbst nicht 100%ig sicher bin, was den Wert meiner eigenen Arbeit angeht. Sicher kann ich nur sagen, dass er mir selbst Spaß macht, ich gut bezahlt werde und er mir genug Freiraum für ein Leben lässt. Wie meine “Wertebilanz” für die Gesellschaft aussieht, kann ich irgendwie nicht wirklich abschätzen … ich “vernichte” mit meiner Arbeit sicherlich vorher vorhandene Arbeitsplätze, die aber mit großer Wahrscheinlichkeit nur von dummen, dullen und nervenaufreibenden Aufgaben erzeugt wurden; gleichzeitig hoffe ich, dass mit den Produkten, die ich schaffe, Unternehmen in der Lage sind, bessere Geschäfte zu machen und ihren Mitarbeitern erlauben, sich auf die Dinge zu konzentrieren, die den Kunden der Unternehmen Wert und Freude bringen.

Aber wie würde die Welt aussehen, wenn niemand mehr meine Arbeit machen würde? Besser? Schlechter?

 

Dortmund, 150303_1920

B.

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Leonard Nimoy (1931 – 2015)

Leonard Nimoy war, und wird immer sein, unser Freund Spock.

Das kann und darf man nicht klein reden. Spock hat uns unser ganzes Nerd-Leben lang begleitet, und wird dies auch immer wieder tun. Welcher andere tragende “Held” einer Geschichte der letzten 50 Jahre war Wissenschaftler, streng logisch, teilweise unmenschlich kalt und rational und eben dadurch uns immer wieder unsere Menschlichkeit wie einen Spiegel vorhaltend? Und immer mit seiner menschlichen Seite ringend? Es würde sehr vielen Menschen gut tun, sich gleich mehrere Seiten von Spock abzuschneiden.

Dies haben die Drehbuchautoren von Star Trek geschaffen, aber Leonard Nimoy hat diese Rolle verkörpert, wie vermutlich nur er es gekonnt hätte

Als Schauspieler kam er nie von dieser Rolle seines Lebens los. Ich möchte mir gar nicht vorstellen, was es für einen kreativen, schöpferischen Menschen bedeuten muss, sein gesamtes Leben auf eine einzige Facette reduziert zu werden – auch, wenn es bedeutet, gleichzeitig mit dieser Facette eine unsterbliche Ikone geschaffen zu haben. Nimoy selbst muss damit lange gehadert haben, um sich irgendwann resigniert damit abzufinden.

Auch aus diesem Grund möchte ich – augenzwinkernd – Leonard Nimoy für einer anderen bemerkenswerten künstlerischen Leistung würdigen:

Dortmund, 150227_2329

B.

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Bei den “Cryptowars 3.0″ geht es um nichts weniger als den Erhalt um die Demokratie

… sagt der CCC-Sprecher Frank Rieger in einem höchst lesenswerten Artikel bei Heise.de.

Ich würde mir wünschen, dass jeder, der über meinen Eintrag hier stolpert, sich ein paar Minuten Zeit nimmt, und diesen unaufgeregten, sachlichen und trotzdem sehr deutlichen und appellativen Text zu Herzen nimmt.

Ich selbst habe vorgestern erst einen sehr wütenden, verzweifelten, emotionalen Rant geschrieben, und freue mich deswegen durchaus darüber, dass es Menschen gibt, die die Angelegenheit nüchtern und geduldig angehen, dass es noch Menschen gibt, die offensichtlich noch an die Lernfähigkeit der Menschen und die Heilungsmöglichkeiten des Systems glaubt.

Ich will in Folge mal ein paar bemerkenswerte Stellen kommentieren:

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“Hier herrscht keine Freiheit, denn frei sein wollt ihr nicht” – Die Apokalyptischen Reiter schreiben den Soundtrack für die deutschen Freiheitsfeinde

Ich hatte letzte Nacht einen Traum. Er hatte mit einem Song zu tun, den ich gerade erst entdeckt hatte.

Habt ihr Angst vor der Freiheit, weil sie etwas verlangt?
Hat euch die Angst auf ewig zu Sklaverei verdammt?
Ihr verehrt die Kette, die euch täglich verführt
Und wollt andere noch ketten, damit auch ihr mal führt

Mein Traum war düster und gewalthaltig.

Ich lebte in einer Welt, in der jeder dumme, feige deutsche Bürger, der jederzeit bereit ist, jedes bisschen Freiheit für hohle Versprechen von Sicherheit zu opfern, es am eigenen Leib zu spüren bekommt, wie es ist, Freiheit zu verschenken.

Hier herrscht keine Freiheit,
denn frei sein wollt ihr nicht
Es mangelt an Gleichheit,
doch gleich sein wollt ihr nicht

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“Die Lüge vom ‘Wohlstand für alle'” – eine Abrechnung mit dem Wirtschaftswunder und dem Neoliberalismus

Bei Telepolis gibt es einen sehr lesenswerten Artikel, der mit dem von Konservativen gern herbeigesehnten “rheinischen Kapitalismus” der Wirtschaftswunderzeit abrechnet. Der Artikel ist aus meiner Sicht – mit meinem eher beschränkten wirtschaftlichen bei durchaus vorhandenen historisch/politischem Verständnis – verständlich geschrieben und machte mir Lust darauf, mal wieder einen längeren Kommentar mit vielen Zitaten zu schreiben. Der Autor setzt die Eigenheiten der von Vielen bewunderten wirtschaftlichen Phase in den politischen und historischen Kontext und zeigt auf, warum es aus seiner Sicht nicht sinnvoll ist, ein solches System erneut anzustreben:

Es gibt kein Zurück zur Sozialen Marktwirtschaft. Der versprochene “Wohlstand für alle”, so der Slogan des Nazi-Schergen und späteren Wirtschaftsministers und dann Bundeskanzlers Ludwig Erhard, ist eine Fata Morgana. Da kann Erhard im Grab rotieren wie ein Dönerspies: Diese Epoche, manchmal auch Rheinischer Kapitalismus genannt, war kein mildtätiges Wohlfahrtsprogramm des Kapitals. Vielmehr lässt sich die Soziale Marktwirtschaft anhand soziohistorischer Fakten und Sachzwänge erklären, die – wie jede Epoche des Kapitalismus – einzig und allein auf den größtmöglichen Profit zielte.

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Großartigkeit des Tages: Einfach mal installieren …

Diese “Großartigkeit” ist zynisch zu sehen: mit einer vorgeschalteten, fetten Warnung “don’t try this at home” sind hier die Redakteure von “How To Geek” mal hergegangen und haben sich die Top 10 der Seite “download.com” (auf einer virtuellen Maschine!) installiert. Und zwar ganz einfach: immer die Default-Einstellung, immer “Agree”.

Das Ergebnis ist … erwartungsgemäß unterhaltsam.

Und wie immer frage ich mich: wie können die Software-Entwickler, die ihren Usern diese ranzige Scheiße zumuten, eigentlich morgens in den Spiegel gucken? Ich würde mich so was von schämen …

Dortmund, 150113_1907

B.

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Je suis Charlie! #JeSuisCharlie #CharlieHebdo

je_suis_charlie

Dortmund, 150107_1757

B.

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