Widerling des Tages: Restaurantbesitzer verpfeift schlechten Bewerber beim Arbeitsamt

Dieser Artikel bei Stern/Neon Online enthält so ziemlich alles, was ich an „typisch deutsch“ (bzw. österreichisch, aber die Mentalität ist dieselbe) in Verbindung mit moderner Arbeits-Religion und Arbeitsfetischisierung widerlich und abstoßend finde. Continue reading

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Eine gebrochene Lanze für die moderne Hipster-Kultur

Ich verstehe es nicht. Frauen betreiben unfassbar viele Modegeschäfte, eine riesige Industrie kümmert sich (im Guten wie im Schlechten) um Dinge, die als „typisch weiblich“ angesehen wird, und nur die extrem verhärmtesten Feministinnen stören sich vermutlich daran, dass es für Frauen schicke Kleider, Accessoires, viele unterschiedliche Frisur-Stile und entsprechende -Moden gibt. Solange nichts davon Zwang ist und wenn wir mal unappetitliche Aspekte wie „ungesundes Körperverhalten durch Modetrends suggerieren“ ausklammert, erfreut sich vermutlich ein großer Teil der Frauen unserer Gesellschaft daran.

Wenn man dann Männer, ihren Stil und ihre Hobbies betrachtet … dann scheint man manchen Frauen wirklich nichts recht machen zu können.

Dass man sich über Fußball-Prolls, Muckibuden-Brecher, bebrillte Nerds, Socken-in-Sandalen-Trägern und so weiter gut echauffieren kann, ist ein alter Hut.

Ein neuerer Trend scheint mir hingegen eine allgemeine Verachtung gegen Männer zu sein, denen man das Sujet „Hipster“ anklebt. Ich kann es ja auch teilweise verstehen. Es gab auch mehrfach Momente, wo ich Dinge gesehen habe, Aussagen gehört habe, wo ich dachte: oh mann, komm mal wieder auf die Erde.

Aber ich finde, man sollte wesentliche Bestandteile des oft kritisierten Hipstertums mal auf ein paar grundlegende Eigenschaften zurückführen, und dann kann ich ehrlich gesagt nur wenig Negatives dran finden.

Denn „Hipster“ haben zum einen recht viel mit „Nerds“ oder „Geeks“ gemeinsam: sie sind begeisterungsfähig, neugierig, lernfähig, entdeckungsfreudig. Sie interessieren sich für einen Teilbereich, der Anderen vielleicht als normal oder banal erscheint, entwickeln eine hohe Liebe zum Detail, und sind darüber hinaus, oft äußerst genussempfänglich, sinnlich und somit lebensfroh.

Ob es jetzt wirklich ein ausgewiesen „männliches“ Phänomen ist, ein spezifisches Interessensgebiet bis an den Rande der Obsession (und manchmal darüber hinaus) zu erforschen, weiß ich nicht.

Ich weiß nur, dass ich selbst viele Elemente der „Nerd“- und „Geek“-Kultur in mir trage, und im einen oder anderen Bereich auch gerne den „Hipstern“ zugeordnet werden kann.

Und ich mag diese Teile von mir!

Ich habe eine hohe Genussfähigkeit in Bereichen entwickelt, die andere Menschen vielleicht nicht einmal beachten. Ich kann mich an den weitreichenden Nuancen verschiedener Single-Malt-Whiskeys erfreuen, ich weiß, welcher Wein (welche Rebsorte, welcher Ursprung) mir besonders gut schmeckt, ich ziehe große Freude daraus, überall wo ich bin, lokale Biere, die man eben nicht in jeder fucking Tankstelle kaufen kann zu probieren, und seitdem ich weiß, wie gut Wagyu-Beef schmeckt und was „Dry Aged“ bedeutet, habe ich überhaupt erst hochwertiges Fleisch (und die damit verbundene Hoffnung auf ethisch korrekte Aufzucht und Lebensbedingungen von Zuchttieren) kennengelernt.

Letzte Woche war ich in Leipzig, in der großartigen Cocktailbar Imperii – ein Paradebeispiel für hipstergeführte Genusskultur. Und ich kam aus dem Staunen nicht mehr heraus, was für irrwitzige Ideen die da hatten, Geschmäcker zu kombinieren …

All das wäre ohne Hipster nicht möglich gewesen – es sind nämlich die Hipster, die solche Dinge voran treiben. Also: vielen Dank, Hipster!

 

Ich bin ein Mann, und ich bin es gerne. Ich komme sehr gut mit meiner Rolle klar, das war eigentlich immer so. Wenn ich das oben gesagte reflektiere und das in meine „Männlichkeit“ übertrage, sehe ich mich als Nerd/Geek/Teilzeit-Hipster und fühle mich wohl. Ich könnte auch versuchen meine Männlichkeit als Hooligan auszuleben, oder irgendwelchen anderen männlichen Scheiß veranstalten, den Feministen (oft zurecht) als „toxisch“ betrachten.

Stattdessen bin ich offen, lebe gerne neue Genüsse aus, verfeinere meinen Geschmack, interessiere mich für neue Dinge … ist das jetzt schlecht?

 

Wenn man Artikel wie diesen hier betrachtet, stimmt wohl irgendwas mit mir nicht:

Wer sich einmal die von Hipstern betreuten Geschäftszweige ansieht, stößt auf eine überraschend wenig subtile Geschlechtertrennung: Während Hipsterinas mit selbstgebasteltem Schmuck, Backwaren oder Second-Hand-Klamotten handeln, hat ein männlicher Hipster eine Schrauberwerkstatt, eine Bar oder einen Steakgrill.

In den „Managements“ dieser schwer maskulinen „Start-Ups“ sitzen dann nur Männer mit geometrischen Tattoos und speckigen Hüten zusammen, mit der einzigen Ausnahme „Jill on Social Media“ – wie „Key of Awesome“ sie in ihrer Hipsterparodie nennen.

Tatsächlich verbinde ich die meisten Dinge, die ich mit Hipstern verbinde, mit Männern. Das gilt weitgehend auch für das Nerd- oder Geektum (mit Ausnahme von Cosplay, das scheint fast ausschließlich in weiblicher Hand zu sein …). Ist das so? Vielleicht? Meinetwegen. Ist das denn schlimm?

Ich kann jetzt nicht für alle Szenen sprechen, aber alles, was ich persönlich beobachten konnte, war praktisch völlig, nennen wir es „meritokratisch“. Man begeistert sich für ein Thema, eignet sich diesbezügliches Wissen und Kultur an. Man erkennt schnell, wer was drauf hat, wer Ahnung hat, wer Anfänger ist, wer Fortgeschritten … und zumindest meiner Erfahrung nach hat da noch nie eine Rolle gespielt, was man zwischen den Beinen hat. Ob ich mich mit einem Mann oder einer Frau über die Vorzüge von Highland-Malt gegenüber Islay-Malt (Hint: es gibt sie nicht ;-) ) streite, ist mir völlig egal, und ich habe zumindest persönlich noch niemanden kennengelernt, wo es ernsthaft eine Rolle gespielt hätte.

Doch nicht nur die Firmen selbst sind Sausageparties, auch die Kundschaft wird strikter geteilt als eine Dorfkirche 1912. „Todi’s Barbershop“ in Berlin-Wilmersdorf beispielsweise hat seine Scheibe großflächig mit dem Hinweis „It’s a man’s world – sorry Ladies“ beklebt, was angesichts der Deklaration als „Herrenfriseur“ wirkt wie ein 8-jähriger, der einen „Mädchen unerwünscht“-Zettel an seine Zimmertür hängt. Die Hipsterkultur feiert alles ab, was sich schon kleine Jungs als besonders männlich vorstellen: Bärte, Schnaps, Rumwerkeln, Holzfällerhemden und möglichst große Fleischstücke.

Das will mir nicht in den Schädel: seit JAHRHUNDERTEN gibt es eine gigantische, weltumspannende, extrem vielseitige, bunte, widersprüchliche und dem Vernehmen nach für einen Großteil der Menschheit sehr aufregende Modeindustrie, die sich AUSSCHLIESSLICH ans weibliche Geschlecht wendet. Kleidung, Kosmetik, Frisuren, Wellness, etc.

Modische Leitkultur für Männer hingegen ist spätestens seit dem Aufstreben des Bürgertums weitgehend stinklangweilig, uniformiert und maximal auf „Seriösität“ (was auch immer das im jeweiligen Kontext bedeutet) getrimmt. Es ist noch nicht lange her, da habe ich Artikel (von Frauen) gelesen, wo sie von Männern gefordert haben, mal aus der Reihe zu tanzen, sich was zu trauen, authentisch zu sein …

Besonders die Attacke auf den Barbershop finde ich wirklich perfide, wenn man sich die extreme Bandbreite an Damenfrisuren und -friseuren in Erinnerung ruft, und dagegen hält, wie armselig Haarkultur in den letzten 100 Jahren für Männer war (erinnert sich noch jemand an die verrauchten Herrenfriseure in Dörfern und Vorstädten, bei denen jeder Haarschnitt gleich aussah?) – wobei Bartkultur gegenüber Haupthaar durchaus variierte …

An Männer gerichtete Angebote wie die Seite des Lifestyle-Ladens „Soul Objects“ in Berlin-Prenzlauer-Berg schaffen eine verschämte kleine Nische für „Soul Sisters“, in der sie dann Schokolade, Babystrampler oder blubbernde Roséweine anbieten.

Ich hab mir das mal im Internet angesehen. Der Laden ist offensichtlich ein Accesoire-Shop, der sich an Männer richtet. Wie viele solcher Shops gibt es für Frauen, oder Dinge, mit denen sich klischeehaft (und ebenso klischeehaft in der Realität bestätigt) maximal an Frauen richten? Seit Jahrzehnten schon – ich denke da auch an die ganzen Läden, in denen es eigentlich nur nutzlosen Kitsch und Dekokram für die Wohnung gibt … und es macht durchaus Freude, sich mal an einem Sonntag an die massiven Schlangen bei Ikea zu stellen und die Menschen zu beobachten …

Mit seiner Mischung aus betonter Sensibilität, Schöngeistigkeit und Rückbesinnung auf alte Rollen neigt sich der Hipster wieder gefährlich dem viktorianischen Männlichkeitsideal zu. Es ist auch letztlich die viktorianische Ästhetik, die er zitiert, und in dieser Ästhetik gibt es erst einmal keinen Platz für Frauen. Wahre Freundschaft, wahrer Genuss, wahre Qualität findet man eben nur von Mann zu Mann. „Sorry Ladies.“

Das ist jetzt eine Interpretation. Kann man so wahrnehmen. Wenn man will. Mir scheint es eher, dass die Dame hier vielleicht ein wenig projiziert … meiner Erfahrung entspricht es jedenfalls nicht. Warum sollen sich nicht auch Frauen für ein geiles Steak oder einen guten Whiskey begeistern können? Was hindert sie daran? Ich behaupte: es sind nicht die männlichen Hipster.

Die Welt der Hipsterfrau ist hingegen ganz anders, sie ist voller Pastell, Bäckereiwaren und süßer Tiere. Sie sieht den ganzen Tag aus wie eine Ballerina in der Mittagspause oder als trüge sie die Kinderklamotten ihrer Eltern auf. Sie trägt einen zerzausten Dutt, zuckerwattefarbene Kaschmirpullover, zu kurze Achtziger-Jahre-Latzhosen. Sie ist niemals professionell oder sexy. Sie ist immer irgendwie süß, verwuschelt oder verträumt, höchstens auf kindliche Weise burschikos. Eine viktorianische Kindsfrau, die sich durchs Leben bastelt und liest und Teegesellschaften mit ihren Katzen gibt.

Ich persönlich fände eine lederjacken-tragende, steak essende und über die feinen Nuancen von IPA fachsimpelnde Frau ja viel interessanter. Aber auch hier wieder die Frage: warum entscheiden sich Frauen *selbst*, so zu sein? Ich ärgere mich auch regelmäßig über frühkindliche Indoktrinierung, die oft völlig sinnlos von Spielzeug-Fabrikanten betrieben wird. Und vielleicht ist das hier einfach die unvermeidliche, langfristige Folge daraus. Aber ich glaube auch, dass irgendwann Schluss mit der großen maskulin-unterdrückenden Weltverschwörung ist, und ich behaupte: wenn weibliche Hipster so sind, wie die Dame hier beschreibt, dann so, weil sie es sein WOLLEN. Denn wenn es eine gesellschaftliche Richtung gibt, in die man NICHT vom bösen Patriarchat reingezwungen wird, dann ist es sicherlich die Hipster-Szene.

Kleines Detail am Rande: im oben erwähnten Imperii gab es an diesem Abend mindestens zwei extrem fachlich gute und dem Detail hingebungsvolle Service-Mitarbeiter. Nur einer davon war ein Mann …

Und was machen die introvertierten Frauen den ganzen Tag zuhause? Pinterest, ein Online-Sammelalbum für visuelle Inspiration, schlägt ihnen die Themen Hochzeit, Baby, Kochen, Abnehmen sowie Handarbeit und Werken vor. Die Seite ist berühmt-berüchtigt dafür, besonders verlobte Frauen ins Bastelburnout zu gängeln.

OMG! Das ist bestimmt wieder eine gemeine Verschwörung des Patriarchats! Pinterest, das Virus, das Frauen, deren Bestimmung es doch eigentlich sein muss, emanzipiert die Welt zu retten in Bastel-Mütterchen verwandelt. Wer hätte das gedacht …

Hauptsache, die Frau ist beschäftigt, während Hipsterino sich sein 250-Gramm-grassfed-Simmenthaler-Dry-Aged-T-Bone-Steak reindreht. Und das nennt man dann Fortschritt.

Vielleicht wäre es ja doch besser, wenn der Mann sich wieder so guten alten männlichen Tugenden wie Leberwegsaufen, im Fußballstadion prügeln und Krieg führen widmet … ah, warte. Nein, ich vergaß: das ist ja toxisch. Vermutlich ist im Sinne der Autorin der Lebenssinn des Mannes, jede Sekunde seiner freien Zeit, die er nicht mit hingebungsvoller Kindererziehung und notwendiger Geldarbeit verbringt, mit Nachdenken zu verbringen, wie er dafür sorgen kann, das Unheil, das 10.000 Jahre Patriarchat an Frauen angerichtet haben, wieder gut zu machen – angefangen damit, seiner Holden den Himmel auf Erden zu bereiten.

(BTW: der Steak-Hipster in mir lacht sich gerade über das Unwissen der Dame, den idiotischen Pseudo-Qualitätsbegriff „Simmenthaler“ zu verwenden, kaputt).

Aber wenn er sich auf die „gute alte Zeit“ und „gutes altes Handwerk“ in Deutschland rückbesinnen möchte, kommt ihm ärgerlicherweise der Nationalsozialismus in die Quere.

Bodenloser Schwachsinn und an debiler Idiotie nicht zu überbieten. Wem ich jetzt hier erklären muss, warum, dem ist nicht mehr zu helfen.

Er versucht, diffuse Sentimentalitäten anzusprechen, indem er beispielsweise eine längst eingestellte Biersorte wie „Diamant-Bräu“ in Magdeburg wiederaufleben lässt, vermeidet aber peinlich jedwede historische Kontextualisierung jenseits der Wiederverwendung des Logos.

Hier wäre es ein netter Service der Autorin gewesen, mit ein, zwei kurzen Sätzen klarzulegen, wo jetzt das spezifische historische Problem bei „Diamant-Bräu“ liegt. Vielleicht gibt es ja wirklich eins? Ich weiß es nicht, weiß es die Autorin vielleicht? Ich für meinen Teil kann nichts Schlechtes z.B. an der Wiederneugründung der Dortmunder „Craft Beer“-Brauerei Bergmann finden …

Ein paar Sätze später gibt sie dann zu, dass

Mit alten deutschen Namen einen nostalgischen Rahmen zu evozieren, ist vom Prinzip her nicht schlecht. Ich habe Diamant-Bier und Slyrs-Whisky beispielsweise sehr gern getrunken und mich dabei ein bisschen nostalgisch gefühlt.

Finde ich irgendwie widersprüchlich. Das „Wilhelms Burger“ / „Wilhelm Burger“-Beispiel aus dem zugehörigen Absatz finde ich persönlich extrem konstruiert. Man kann nicht von jedem Deutschen erwarten, dass er jede einzelne Idee (abgesehen von den wirklich offensichtlichen) auf eine wie auch immer verschachtelte Bedeutung der Nazi-Periode abklopft. Wer das tut, wird irgendwann neurotisch (mir scheint, die Autorin wäre ein entsprechender Kandidat). Ich für meinen Teil kenne mich nach jahrelanger Beschäftigung IMHO wirklich gut mit der Geschichte des Dritten Reichs aus, auch mit Figuren und Begebenheiten au der zweiten oder gar dritten Reihe. Wilhelm Burger war mir bis gerade nicht bekannt … nun, ich lerne auch immer wieder Neues dazu. Mir ist allerdings gerade bei sich selbst als links bezeichnenden, enthusiastischen „Antifaschisten“ oft eine schwer erträgliche Arroganz aufgefallen, die darauf beruht, dass sie sich in ihrem kleinen Bereich extrem detailliert auskennen und dann Menschen beschimpfen, die nicht dieses Detailwissen haben. Wenn sie nicht oft so genussfeindlich wären, könnte man sie glatt als „Antifa-Hipster“ beschimpfen ;-)

 

Ladies, ganz ehrlich: ich liebe den Genuss, den mir die Detailverliebtheit der Hipster beschert. Wenn ihr daraus solche Schlüsse zieht, wie die Dame im obigen Artikel, dann freue ich mich, wenn ich das von euch möglichst früh erfahre. Dann brauche ich nämlich keine Zeit mit euch zu verschwenden …

Dortmund, 171109_1825

B.

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Großartigkeit des Tages: Von der Freude, wenn bei Linux auch die Hardware mal gut funktioniert

In der Welt der Linux-User bewege ich mich zwischen den Extremen. Ich bin kein Power-User, der sich regelmäßig seine Kernel selbst kompiliert, jede Bibliothek auf seinem System beim Namen kennt (und auch genau weiß, was er braucht und was nicht) und irrwitzigste Konfigurationen in obskuren Config-Dateien erfolgreich per cat/awk/sed udgl. erledigt.

Auf der anderen Seite bin ich Software-Entwickler, weiß recht viel vom Hintergrund meines Systems und bin bis zu einem bestimmten Punkt bereit, mich in Interna einzulesen und dann auch mit verschiedenen Konfigurationen zu experimentieren, auch mal experimentelle Versionen zu kompilieren oder im Zweifelsfall sogar selbst abzuändern (been there, done that).

Aber gerade was Hardware angeht, ist meine Expertise schnell am Ende, und meine Bereitschaft, mich in die Tiefen der X-Server-Konfiguration oder ACPI-Dinge einzuarbeiten ist nur rudimentär. Hier beneide ich Windows- und vor allem Apple-User: ich möchte, das mein Rechner ab einem bestimmten Punkt an „einfach nur funktioniert“ und „das macht, was er soll“.

Und in diesem Punkt ist man oft als Linux-User ist viel Schmerz gewöhnt. So wie ich im gesamten letzten Jahr mit meinem Dell-Notebook und der (von Dell selbst gelieferten!) Ubuntu 14.04 LTS-Installation. Viele Dinge, die für andere selbstverständlich waren, funktionierten nicht und führten zum Absturz. Zum Beispiel meine offensichtlich völlig absurde Idee, zusätzlich zum Laptop-Monitor noch zwei weitere Monitore (einen per HDMI, einen per VGA) anzuschließen. Ging grundsätzlich, führte aber einfach zu gelegentlichen Totalabstürzen (=> brutaler Neustart per Power-Switch nötig).

Ebenso war die Verwendung von so nützlichen ACPI-Power-Features wie „Suspend“ oder „Wake-On-Lid“ immer ein Würfelspiel, das oftmals ebenso einen Kaltstart erforderte.

So hab ich mir angewöhnt, diese Dinge eben nicht zu tun. Notebook mal eben an einen anderen Arbeitsplatz mitnehmen? Besser alle Programme schließen und runterfahren. Wie in der Steinzeit!

Vor ein paar Wochen hatte ich die Schnauze voll und hab die Kiste komplett neu installiert, (Linux Mint, Mate-Desktop, aktuellster Kernel) – und jetzt gehen all die schönen Dinge.

Ich bin gerade richtig begeistert und möchte mich auf diesem Weg bei der Linux-Community bedanken, dass sie hier einfach am Ball bleibt und für Aktualisierungen sorgt.

Dortmund, 171107_1231

B.

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Messbarer musikalischer Output: SHEDO – Two Broken Hearts

Shameless self promotion alert!!!

Meinen messbaren Output als Musiker der letzten Jahre kann man ohne Untertreibung vermutlich mit einer konkreten Flatline beschreiben. Ich war sporadisch an Bandprojekten beteiligt, aus denen leider nie etwas geworden ist, habe mich mit großen Ideen und noch größeren Fernzielen auf mein Soloprojekt gestürzt, für das mich mich jedoch nie genug motivieren konnte, habe Auftritte mit meiner Coverband gehabt, habe mich mit tollen Musikern zu Jam-Sessions getroffen, deren Output – wie gute Aktionskunst nun mal ist – an Ort und Zeit gebunden und somit flüchtig ist.

Das Ergebnis ist, dass ich nichts zeigen kann, wenn man mich fragt „was machst du so eigentlich als Musiker“, zumindest nichts *eigenes*.

Und da kam wie aus dem nichts meine alte Freundin Hanna Shedo, hatte ein neues Lied geschrieben. Traurige Liebes-Ballade, extrem scharf auf der Kitsch-Grenze segelnd, aber wunderschön. Spärlich instrumentiert, nur Vocals, akustische Gitarre, Piano und ein paar Pads. Ob ich da Bass zu einspielen wollte? Wollte ich … und weil das Arrangement genug Platz bot, entschloss ich mich, einen schön singenden Part auf dem Fretless-Bass dazu zu komponieren und einzuspielen.

Wer mich kennt weiß, dass ich nicht unbedingt zum Eigenlob neige, sondern eher dazu, meine Erfolge kleinzureden und runterzuspielen.
Hier nicht! Ich bin wirklich stolz auf den signifikanten Part, den ich zu dem tollen Gesamtergebnis beigetragen habe.

Zusätzlich haben wir sogar ein richtiges Musikvideo gedreht, was den oben beschriebenen Charakter noch gut unterstreicht. So richtig mit Posing bei unter 0°C im Rombergpark … ich durfte wenigstens noch meinen Mantel anbehalten, aber die arme Hanna …

An dieser Stelle vielen Dank an unseren Regisseur Mathias Kasper von mv-production, der übrigens auch den Song produziert hat.

Und nun wünsche ich euch viel Spaß mit „Two Broken Hearts“:

 

Leipzig, 171101_1830
B.

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Lebenszeichen, reloaded

Hey Leute …

long time no see, ich weiß. Irgendwie hat sich die schlechte Angewohnheit, meine Meinung nur beim bösen Facebook rauszurotzen, anstelle nicht viel besser formulierte oder recherchierte Blog-Artikel zu schreiben, zu stark verfestigt. Mein armes Blog ist total verwaist, der letzte Artikel schon fast anderthalb Jahre her, und davor war es auch nicht viel besser. Ich würde ja sagen „ich gelobe Besserung“, weil ich eigentlich immer noch daran glaube, dass es besser ist, Meinungen an einem EIGENEN Ort festzuhalten, über den man frei verfügen kann, und solche Plattformen wie Facebook eben nur zum Verbreiten und zur Diskussion zu nutzen. Aber ich fürchte auch, dass das wohl nicht wirklich konkret was wird – schlechte Angewohnheiten sind schlimmer als Malaria, die wird man eben nur schwer los.

Wie auch immer – wenn ich mal nen Anlass habe, einen richtigen Blogartikel zu schreiben, dann hab ich auch einen. Deswegen tu ich es – gleich mit dem nächsten Eintrag :-)

Leipzig, 171101_1800
B.

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Über das Bla-Bla-Internet-Gratiskultur-Gejammer von Musikern und Musikfans

Bin gerade wieder mal etwas in Schreiblaune, das muss ich ausnutzen.

Ich lese immer noch gerne das RockHard-Magazin, auch, wenn ich in den letzten Jahren immer weiter von meiner einstmals heiß geliebten Szene wegdrifte. Grundsätzlich mag ich den Ansatz von Holger Stratmann und seinen Mitarbeitern, sich auch aktuellen, gerne auch politischen und gesellschaftlichen Themen abseits des üblichen „unser neues Album ist unser Bestes“-Gerede zu widmen. Auch die – umstrittene – Entscheidung des Herausgebers, sich stark der Digitalisierung und modernen Multimedia-Applikationen hinzugeben halte ich für klug und weitsichtig.

Manchmal finde ich jedoch die einseitige und rückständige Haltung in Interviews, wenn es um das Internet geht, ziemlich traurig. Aktuell geht es um ein Interview (RH 348, S. 124f) mit dem von mir hochgeschätzten Marco Hietala, seines Zeichens Bassist und (Backing-)Sänger bei Nightwish (hört euch auch mal seine großartige eigene Band „Tarot“ an).

Marco legt eigentlich relativ klug und moderat vor:

(…) Die digitale Revolution macht es Musikern schwer, finanziell unabhängig zu sein, was beileibe nicht nur mit illegalen Downloads zu tun hat. Niemand kann von den Ertägen leben, die Streamingdienste einbringen. Dahingehend muss sich etwas ändern, denn das tatsächliche Produkt zum Anfassen wird sich langfristig nicht mehr durchsetzen. Das ist auch nur eine Frage der Wertschätzung: man gibt drei Dollar für einen Becher Starbucks-Kaffee aus, ist aber nicht bereit, für ein Kulturgut wie Musik zu zahlen.“

Daraufhin wirft ihm RH-Mitarbeiter Andreas Schiffmann gleich dauf subtile Art das böse G-Wort vor die Füße …

Das Argument von Befürwortern der Gratiskultur lautet stets: Freiheit und Gleichheit für alle.“

… womit sich Marco leider direkt ködern lässt:

Das ist völliger Unsinn. Wer etwas leistet, sollte auch dafür belohnt werden, und was hat der Diebstahl von geistigem Eigentum mit Freiheit zu tun? Das Internet könnte noch mehr zur Chancengleichheit unter allen Menschen beitragen, wenn nicht immer nur diejenigen Recht bekämen, die am lautesten brüllen.

 

Internet! Gratiskultur!! Diebstahl!!! Geistiges Eigentum!!!!1!!!1!11!!!1111einself *seufz*

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Back to Linux … oder: warum Büstenpolitur und rituelle RMS-Opferungen doch etwas bringen

… anscheinend hat das intensive Polieren der Linus-Büste, das ich in einem der  letzten Posts angekündigt hatte, wirklich gewirkt. Oder die Seele des armen Script-Kiddies, die ich noch in der selben Nacht auf dem Dortmunder Uni-Parkplatz rituell mit einem WLAN-Kabel erdrosselt habe, hat den allmächtigen RMS doch noch beruhigt, denn mein schreckliches Schicksal wendet sich zum Guten:

Ich wechsle die Firma (nein, das erbärmliche Windows 10 hat keinen wesentlichen Anteil daran). Neuer, auf großartigste Weise buzzwordgeschwängerter Arbeitgeber (SOA! SaaS! Cloud! IoT!. I love it …). Und, so, wie es sich gehört: heterogene IT-Landschaft. Sprich: ich darf mir mein OS aussuchen.

Ich muss zugeben, für einen MOMENT (aber wirklich nur eine Mikrosekunde) habe ich mit dem Gedanken geliebäugelt, mir so ein schickes MacBook Pro mit OSX bestellen zu lassen. Aber dann dachte ich wieder an den Steve-Jobs-Gott-hab-ihn-seeligen walled Garden, jenen gold umzäunten Kindergarten-Käfig, mit dem sich die Apple-Fanbois immer umgeben, und habe mich doch für ein Dell-Notebook entschieden, auf dem ich dann frei mein Lieblings-Linux installieren darf.

Danke, Linus Torvalds-Büste, danke oh zauseliger RMS.

Und:

NIE WIEDER WINDOWS 10!!!

Dortmund, 160521_1455

B.

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Coverversion des Tages: Adeles „Hello“ von Walk Off The Earth (and Friends)

Unfassbar, dass ich in dieser Kategorie noch NICHT die fantastischen „Walk Off The Earth“ hatte.

Das sind die, die uns vor zwei Jahren dieses gigantische „5 Menschen spielen auf einer Gitarre“-Cover von Gotyes „Somebody that I used to know“ beschert haben. Das – und ein paar andere sehr coole und vor allem innovative Cover-Versionen haben mich soweit gebracht, dass ich mir letztens sogar einen Gig von ihnen in Köln angesehen habe. Sehr coole, Band, und vor allem mal was völlig anderes. Live auf der Bühne kamen die mir weniger wie eine klassische Band vor, sondern mehr wie eine große, bis zu 20-köpfige Musikerkommune um Gianni und Sarah, wo jeder mal an jedes Instrument ran darf und auch die Tross-Mitarbeiter auf die Bühne geholt werden, um irgendwo irgendwas mizuspielen.

Was mich bei ihren Coverversionen so begeistert ist, dass sie sich immer wieder was neues ausdenken, um die Sache interessanter zu machen.

Die folgende Version des aktuellen Adele-Allgegenwärtigkeitssongs „Hello“ ist ein grandioses Beispiel dafür.

Wir brauchen: Plastikröhren, ein Surfbrett, Glöckchen, zwei Typen, die Steptanzen können.

Und wichtig: Hosenschlitze (!)

Also, wenn das nicht cool ist, weiß ich es nicht.

Es gibt noch eine „Studio“-Version davon, mit witzigen Human Beatbox-Effekten, aber die Surfbrett/Hosenstall-Version ist interessanter.

 

Dortmund, 160116_1612

B.

 

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#Windows10 – „das beste Windows aller Zeiten“. Für den „Computerfreund“. „GESCHENKT!“ Buahuahua …

Ich habe schlechtes Karma. Fürchte ich. Vielleicht habe ich doch zu selten dem Richard Stallman geopfert, vielleicht habe ich meine Linus Torvalds-Büste zu selten poliert.

Was es auch ist, ich finde, dass ich das hier nicht verdient habe:

Ich habe einen neuen Job. Das ist grundsätzlich ja nicht verkehrt, mal ein richtiger Perspektivwechsel, spannende neue Aufgaben und auch finanziell ein guter Schritt nach vorne.

Es gibt aber auch eine Kröte zu schlucken: ich MUSS mit Windows (!) 10 (!!) arbeiten. Keine Gnade für den Bombasstard! Nun, Dienst ist Dienst und Schnaps ist Schnaps, und wes Brot ich ess, des Lied ich sing, klare Sache. Aber nach über 6 Jahren professioneller Arbeit mit Linux: wenn man einmal die Macht gekostet hat, die einem die dunkle Seite … ähm, ich meine natürlich die unglaubliche Flexibilität der Konsole kennen gelernt hat, oder gar zu den Erleuchteten gehört hat, die den Berg erklommen haben, um anschließend „Oh my ZSH!“ auszurufen … dann ist Windows halt ein Abstieg. Tut mir leid, ist einfach so.

Nun nutze ich – zwecks Musiziererei – zu Hause auch Windows 7 Professional, welches IMHO das letzte halbwegs vernünftige OS aus dem Hause M$ ist. Windows 10 ist … Bullenscheiße. Erneut: Tut mir leid, ist einfach so. Und keine Besserung in Sicht …
Um ganz ehrlich zu sein – und Leute, die mich gut kennen, werden jetzt scharf die Luft einziehen – ich würde … *seufz* … sogar einen Mac mit OSX vorziehen.

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Die alten Helden sterben und ich werde auch langsam alt …

Ich hätte ja nicht gedacht, dass ich so kurz vor Tore Schluss in diesem Jahr noch einen traurigen Nachruf schreiben muss, aber so ist es leider.

Irgendwie habe ich das Gefühl, dass immer mehr der „alten Helden“ abtreten. Die, die man noch aus der Kindheit kannte, die, die einem postpubertär eine neue Weltsicht geschenkt haben. Sie gehen und hinterlassen Löcher. Die nur selten befriedigend gestopft werden. Realistisch betrachtet ist das natürlich Quatsch. Kultur, Kunst, Musik … the show must go on, and boy, it fucking will! Natürlich GIBT es neue Bands, Schriftsteller. Radikale, Wilde, Tolle. Künstler, die ich nicht verstehe, bei denen ich die Nase rümpfe, die für die „Jugend von Heute“ aber wirklich relevant sind. Vielleicht ist es so, dass nur ICH es so wahr nehme, dass die alten Helden sterben und niemand in ihre Fußstapfen treten kann.

Denn auch ICH werde alt. Ich werde nächstes Jahr 40. Die große, böse 4. Ich habe meinen Körper und meine Gesundheit lange genug sträflich missachtet, um zu wissen, dass ich damit schon mehr als die Hälfte meines Lebens hinter mich gebracht habe. Und jetzt, gegen Ende eines … sehr ernüchternden, aber auch lehrreichen Jahres, werde ich sentimental.

Und nun? Midlife Crisis?

Dortmund, 151230_0108

B.

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