Über das Bla-Bla-Internet-Gratiskultur-Gejammer von Musikern und Musikfans

Bin gerade wieder mal etwas in Schreiblaune, das muss ich ausnutzen.

Ich lese immer noch gerne das RockHard-Magazin, auch, wenn ich in den letzten Jahren immer weiter von meiner einstmals heiß geliebten Szene wegdrifte. Grundsätzlich mag ich den Ansatz von Holger Stratmann und seinen Mitarbeitern, sich auch aktuellen, gerne auch politischen und gesellschaftlichen Themen abseits des üblichen „unser neues Album ist unser Bestes“-Gerede zu widmen. Auch die – umstrittene – Entscheidung des Herausgebers, sich stark der Digitalisierung und modernen Multimedia-Applikationen hinzugeben halte ich für klug und weitsichtig.

Manchmal finde ich jedoch die einseitige und rückständige Haltung in Interviews, wenn es um das Internet geht, ziemlich traurig. Aktuell geht es um ein Interview (RH 348, S. 124f) mit dem von mir hochgeschätzten Marco Hietala, seines Zeichens Bassist und (Backing-)Sänger bei Nightwish (hört euch auch mal seine großartige eigene Band „Tarot“ an).

Marco legt eigentlich relativ klug und moderat vor:

(…) Die digitale Revolution macht es Musikern schwer, finanziell unabhängig zu sein, was beileibe nicht nur mit illegalen Downloads zu tun hat. Niemand kann von den Ertägen leben, die Streamingdienste einbringen. Dahingehend muss sich etwas ändern, denn das tatsächliche Produkt zum Anfassen wird sich langfristig nicht mehr durchsetzen. Das ist auch nur eine Frage der Wertschätzung: man gibt drei Dollar für einen Becher Starbucks-Kaffee aus, ist aber nicht bereit, für ein Kulturgut wie Musik zu zahlen.“

Daraufhin wirft ihm RH-Mitarbeiter Andreas Schiffmann gleich dauf subtile Art das böse G-Wort vor die Füße …

Das Argument von Befürwortern der Gratiskultur lautet stets: Freiheit und Gleichheit für alle.“

… womit sich Marco leider direkt ködern lässt:

Das ist völliger Unsinn. Wer etwas leistet, sollte auch dafür belohnt werden, und was hat der Diebstahl von geistigem Eigentum mit Freiheit zu tun? Das Internet könnte noch mehr zur Chancengleichheit unter allen Menschen beitragen, wenn nicht immer nur diejenigen Recht bekämen, die am lautesten brüllen.

 

Internet! Gratiskultur!! Diebstahl!!! Geistiges Eigentum!!!!1!!!1!11!!!1111einself *seufz*

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Back to Linux … oder: warum Büstenpolitur und rituelle RMS-Opferungen doch etwas bringen

… anscheinend hat das intensive Polieren der Linus-Büste, das ich in einem der  letzten Posts angekündigt hatte, wirklich gewirkt. Oder die Seele des armen Script-Kiddies, die ich noch in der selben Nacht auf dem Dortmunder Uni-Parkplatz rituell mit einem WLAN-Kabel erdrosselt habe, hat den allmächtigen RMS doch noch beruhigt, denn mein schreckliches Schicksal wendet sich zum Guten:

Ich wechsle die Firma (nein, das erbärmliche Windows 10 hat keinen wesentlichen Anteil daran). Neuer, auf großartigste Weise buzzwordgeschwängerter Arbeitgeber (SOA! SaaS! Cloud! IoT!. I love it …). Und, so, wie es sich gehört: heterogene IT-Landschaft. Sprich: ich darf mir mein OS aussuchen.

Ich muss zugeben, für einen MOMENT (aber wirklich nur eine Mikrosekunde) habe ich mit dem Gedanken geliebäugelt, mir so ein schickes MacBook Pro mit OSX bestellen zu lassen. Aber dann dachte ich wieder an den Steve-Jobs-Gott-hab-ihn-seeligen walled Garden, jenen gold umzäunten Kindergarten-Käfig, mit dem sich die Apple-Fanbois immer umgeben, und habe mich doch für ein Dell-Notebook entschieden, auf dem ich dann frei mein Lieblings-Linux installieren darf.

Danke, Linus Torvalds-Büste, danke oh zauseliger RMS.

Und:

NIE WIEDER WINDOWS 10!!!

Dortmund, 160521_1455

B.

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Coverversion des Tages: Adeles „Hello“ von Walk Off The Earth (and Friends)

Unfassbar, dass ich in dieser Kategorie noch NICHT die fantastischen „Walk Off The Earth“ hatte.

Das sind die, die uns vor zwei Jahren dieses gigantische „5 Menschen spielen auf einer Gitarre“-Cover von Gotyes „Somebody that I used to know“ beschert haben. Das – und ein paar andere sehr coole und vor allem innovative Cover-Versionen haben mich soweit gebracht, dass ich mir letztens sogar einen Gig von ihnen in Köln angesehen habe. Sehr coole, Band, und vor allem mal was völlig anderes. Live auf der Bühne kamen die mir weniger wie eine klassische Band vor, sondern mehr wie eine große, bis zu 20-köpfige Musikerkommune um Gianni und Sarah, wo jeder mal an jedes Instrument ran darf und auch die Tross-Mitarbeiter auf die Bühne geholt werden, um irgendwo irgendwas mizuspielen.

Was mich bei ihren Coverversionen so begeistert ist, dass sie sich immer wieder was neues ausdenken, um die Sache interessanter zu machen.

Die folgende Version des aktuellen Adele-Allgegenwärtigkeitssongs „Hello“ ist ein grandioses Beispiel dafür.

Wir brauchen: Plastikröhren, ein Surfbrett, Glöckchen, zwei Typen, die Steptanzen können.

Und wichtig: Hosenschlitze (!)

Also, wenn das nicht cool ist, weiß ich es nicht.

Es gibt noch eine „Studio“-Version davon, mit witzigen Human Beatbox-Effekten, aber die Surfbrett/Hosenstall-Version ist interessanter.

 

Dortmund, 160116_1612

B.

 

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#Windows10 – „das beste Windows aller Zeiten“. Für den „Computerfreund“. „GESCHENKT!“ Buahuahua …

Ich habe schlechtes Karma. Fürchte ich. Vielleicht habe ich doch zu selten dem Richard Stallman geopfert, vielleicht habe ich meine Linus Torvalds-Büste zu selten poliert.

Was es auch ist, ich finde, dass ich das hier nicht verdient habe:

Ich habe einen neuen Job. Das ist grundsätzlich ja nicht verkehrt, mal ein richtiger Perspektivwechsel, spannende neue Aufgaben und auch finanziell ein guter Schritt nach vorne.

Es gibt aber auch eine Kröte zu schlucken: ich MUSS mit Windows (!) 10 (!!) arbeiten. Keine Gnade für den Bombasstard! Nun, Dienst ist Dienst und Schnaps ist Schnaps, und wes Brot ich ess, des Lied ich sing, klare Sache. Aber nach über 6 Jahren professioneller Arbeit mit Linux: wenn man einmal die Macht gekostet hat, die einem die dunkle Seite … ähm, ich meine natürlich die unglaubliche Flexibilität der Konsole kennen gelernt hat, oder gar zu den Erleuchteten gehört hat, die den Berg erklommen haben, um anschließend „Oh my ZSH!“ auszurufen … dann ist Windows halt ein Abstieg. Tut mir leid, ist einfach so.

Nun nutze ich – zwecks Musiziererei – zu Hause auch Windows 7 Professional, welches IMHO das letzte halbwegs vernünftige OS aus dem Hause M$ ist. Windows 10 ist … Bullenscheiße. Erneut: Tut mir leid, ist einfach so. Und keine Besserung in Sicht …
Um ganz ehrlich zu sein – und Leute, die mich gut kennen, werden jetzt scharf die Luft einziehen – ich würde … *seufz* … sogar einen Mac mit OSX vorziehen.

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Die alten Helden sterben und ich werde auch langsam alt …

Ich hätte ja nicht gedacht, dass ich so kurz vor Tore Schluss in diesem Jahr noch einen traurigen Nachruf schreiben muss, aber so ist es leider.

Irgendwie habe ich das Gefühl, dass immer mehr der „alten Helden“ abtreten. Die, die man noch aus der Kindheit kannte, die, die einem postpubertär eine neue Weltsicht geschenkt haben. Sie gehen und hinterlassen Löcher. Die nur selten befriedigend gestopft werden. Realistisch betrachtet ist das natürlich Quatsch. Kultur, Kunst, Musik … the show must go on, and boy, it fucking will! Natürlich GIBT es neue Bands, Schriftsteller. Radikale, Wilde, Tolle. Künstler, die ich nicht verstehe, bei denen ich die Nase rümpfe, die für die „Jugend von Heute“ aber wirklich relevant sind. Vielleicht ist es so, dass nur ICH es so wahr nehme, dass die alten Helden sterben und niemand in ihre Fußstapfen treten kann.

Denn auch ICH werde alt. Ich werde nächstes Jahr 40. Die große, böse 4. Ich habe meinen Körper und meine Gesundheit lange genug sträflich missachtet, um zu wissen, dass ich damit schon mehr als die Hälfte meines Lebens hinter mich gebracht habe. Und jetzt, gegen Ende eines … sehr ernüchternden, aber auch lehrreichen Jahres, werde ich sentimental.

Und nun? Midlife Crisis?

Dortmund, 151230_0108

B.

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„I don’t want to live forever“ – Lemmy Kilmister (1945 – 2015)

Jetzt schreibe ich einen Nachruf, von dem ich dachte, ich würde ihn nie schreiben.

Ernsthaft. So rational ich auch bin – irgendwie habe ich gedacht, dass Lemmy … was weiß ich … 130 Jahre alt wird, und somit mich (sicherlich) weit überleben würde.

Ich glaube, er selbst hat über sich selbst und sein doch zum Schluss respektables erreichtes Lebensalter von 70 Jahren gestaunt.

Seine unsterblichen Zeilen aus „Ace Of Spades“:

You know I’m born to lose

And gamblin’s for fools

But that’s the way I like it, baby

I don’t want to live forever

ergänzte er live seit langem nicht mehr mit der orginalen Zeile „And don’t forget the joker“, sondern mit einem achselzuckenden

But apparently I am?

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Kurzrant: ich habe den Beruf verfehlt und hätte professioneller Sicherheitsesothetiker werden sollen

Mal ehrlich: wie gut haben es eigentlich die Menschen, die für die Geheimdienste, das BKA, die Polizeigewerkschaften oder als Rüstungs- und Sicherheitstechniklobbyisten arbeiten? Das muss doch eigentlich ein Traumjob sein:

Du kannst machen, was du willst, da dich keiner kontrolliert. Du darfst behaupten, was du willst, weil du immer was von „nationaler Sicherheit“ oder „das berührt den Fall, darüber gebe ich keinen Kommentar ab“ oder „das sind Betriebsgeheimnisse“ faseln darfst, und das akzeptiert der gute Deutsche ordnungsgemäß sofort, wo kämen wir denn da hin.

Du darfst KATASTROPHAL VERSAGEN. Ehrlich. Die, die du überwachen solltest, können machen, was sie wollen, sogar Bomben zünden und Menschen erschießen, völlig egal. DU hast keine Verantwortung dafür. DEIN Kopf rollt nicht, denn es wird NIE Konsequenzen für das Versagen von Diensten geben. Von Konsequenzen für widerliche populistische oder lobbyistische Dampfplauderei wollen wir gar nicht erst reden, so etwas kann offensichtlich in unserer gesellschaftlichen Realität kausal gar nicht vorkommen. Doppelplusgut!

Es wird sogar noch viel besser: wenn du die Terroristen einfach mal machen lässt, gewinnen alle Beteiligten (außer den Opfern natürlich, aber gut, ein bisschen Schwund ist ja immer …). Denn der blöde Pöbel BELOHNT dein Versagen, dein Nicht-Hinsehen, deine Inkompetenz auch noch dadurch, indem er dir NOCH MEHR MACHT und NOCH MEHR GELD zuschustert. Ist das nicht geil?

Und wenn du die letzten 14 Jahre schon ANDAUERND nach MEHR MACHT und MEHR GELD geschrien hast, gejammert wie ein Kind, das an der Supermarktkasse den Lutscher nicht kriegt, und dann BEKOMMST du endlich die Macht und das Geld, das du haben willst … dann kannst du IMMER NOCH VERSAGEN, völlig egal. Du musst in keinster Weise deine Strategie ändern, du kannst einfach weiterjammern. Du wirst TROTZDEM mehr Macht und mehr Geld bekommen. Der Pöbel ist nämlich einfach zu bescheuert, ein Loch in den Schnee zu pissen, das weißt du nur zu gut. Einfach ein bisschen Angst, Unsicherheit und Zweifel streuen, schon fallen die Bürgerrechte, schon fließt das Geld.

Nicht einmal wenn du DUMMDREIST oder gar BÖSWILLIG VERTUSCHEND wichtige Akten shreddern lässt, die bei der nachträglichen Aufklärung von Nazi-Terrorismus helfen könntest, wirst du bestraft. Warum auch, so was macht man halt, wenn man mal alle paar Jahre die Keller aufräumt, nicht wahr? Auch wenn es zufällig kurz danach passiert, als die NSU-Terrorserie der Öffentlichkeit bekannt wird. Das stand so auf dem Plan, das muss so gemacht werden. Ordnung muss herrschen, und nichts liebt der gute Deutsche mehr als Ordnung, nicht wahr? Denn wer Ordnung hält, wird für seinen unverfrorenen Vertuschungswillen nicht bestraft, sondern auch noch befördert. Also nur Mut, einfach mal das tun, was die Dienste und die Geldgeber voran bringt. Schlimmstenfalls wirst du an eine andere Dienststelle versetzt.

 

So ein Scheiß! Ich habe echt den Beruf verfehlt.

Dortmund, 151120_1235

B.

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Wenn man mit Menschlichkeit nicht umgehen kann – von verschachtelter Heuchelei #ParisAttacks

Wer auch nur ein paar meiner Artikel gelesen hat, weiß vermutlich, dass ich nichts so sehr verachte wie Heuchelei und Selbstgerechtigkeit. Zur Zeit beobachte ich – wieder einmal – eine ganz besondere Form davon: die verschachtelte Heuchelei, die „Heuchelei über Heuchelei Anderer“.

Und das geht so:

Viele Menschen machen gerade ihre Bestürzung und Trauer über die Toten der Terroranschläge von Paris kund. Sei es durch Artikel, Tweets oder im einfachsten (und billigsten) Fall dadurch, dass sie ihre Social-Media-Profilfotos z.B. mit einer französischen Tricolore hinterlegen. Ähnlich wie „Je Suis Charlie“ im Januar.

Und ebenso sicher wie die Forderungen der Terrorprofiteure kommen die, mal vorsichtig mahnend, mal penetrant hochnäsig formulierten Aussagen der Form „ihr jammert über die Toten von Paris, aber über all die anderen Terrortoten der Welt jammert ihr nicht, ihr Heuchler!“.

Das ist natürlich in der Sache durchaus korrekt. Facebook hat KEIN nettes Tool bereitgestellt, um sein Profil mit den Nationalfarben von Syrien oder Russland zu hinterlegen, nachdem dort weit größere Zahlen an Terroropfern gemeldet wurden.

Selbstverständlich ist es auch wertvoll, auf die große Medienmanipulation hinzuweisen, die stattfindet, und sich zu fragen, in welche Richtung wir wohl da gedrückt werden sollen.

Aber ich denke, es gibt noch eine viel einfachere Antwort auf dieses Phänomen, und das heißt: Menschlichkeit.

Denn es ist ABSOLUT MENSCHLICH, dass man sich bestimmten Menschengruppen näher fühlt als anderen. Ist so. Punkt. Jeder, der was anderes erzählt, ist ein Heuchler!

Dieses Muster kommt übrigens häufig vor. Stürzt irgendwo ein Flugzeug ab, kommt immer die Meldung „an Bord waren X Deutsche“, und sofort geht die Empöreria los „ach, und die anderen Menschen interessieren euch nicht?“

Doch, natürlich interessieren die mich – aber vielleicht hatte ich Freunde, Verwandte, Bekannte, die just zu dieser Zeit in der Gegend in einem Flugzeug saßen. Somit hat diese Formulierung schon Nachrichtenwert für mich.

Man kann sich fragen, ob die Welt eine bessere wäre, wenn mir das Schicksal von Sajid, dem alten, streng islamgläubigen Gemüsehändler aus Rakka, der völlig unschuldig von einer US-Drohne ermordet wurde genauso nahe gehen würde wie das von Marie, dem süßen, lebenslustigen Hardrock-Fan im Bataclan. Zur Hölle, nein. Mit der einen Person kann ich mich sehr gut identifizieren, bei der anderen müsste ich mich sehr anstrengen. Ist einfach so.

Das bedeutet nicht, dass ich es nicht ebenso himmelschreiend ungerecht finde, dass der unschuldige Sajid sterben musste. Das bedeutet nur, dass ich mich der einen Sache auf eher philosphisch-moralischer Ebene nähere, während mich die andere Sache zusätzlich noch emotional berührt – weil es mich selbst sehr gut hätte betreffen können. Auf einem Event, in einer europäischen Großstadt …

Ich persönlich kann ziemlich gut damit leben, diesen menschlichen „Makel“ zu haben. Ich bin sicher, wenn ich Psychologen und Anthropologen fragen würde, haben die auch sofort ein Modell zur Hand, warum diese Art der „emotionalen Trennung“ für den Menschen einfach gut und sinnvoll ist.

 

In meinen Augen ist es menschlich, Kreise von immer weniger wichtigen Leuten um sich herum zu ziehen. Emotionen sind teuer und Anstrengend, und es ist gut und gesund, mit ihnen ein wenig zu haushalten.

Das entbindet einen natürlich nicht, sich mit den Hintergründen zu beschäftigen, und im besten Fall langfristig auf eine Welt hinzuarbeiten, in der auch Sajid nicht hätte sterben müssen.

 

TL;DR: Die Tatsache, dass mich Schicksale einiger Menschen mehr berühren als das Anderer, macht mich nicht zu einem schlechteren Menschen. Wer das leugnet, verkennt Menschlichkeit.

 

Dortmund, 151119_1550

B.

 

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Terrorismus in unseren Städten – sind Terroristen „feige“? #ParisAttacks

Ich halte es für falsch, die Terroristen als „feige“ zu bezeichnen. Wir reden von Menschen, die in der vollen Bereitschaft, jetzt und hier ihr Leben zu verlieren, ihre grausamen Taten verüben. Sie haben keinen Rückfahrschein, es gibt keine „Exit-Strategie“, keine Chance, den Einsatz zu überleben. Für sie gibt es keine Rückkehr in die Basis, kein Debriefing, keine Heimkehr zu ihren Familien, die auf sie warten.

Man kann, man MUSS die Taten dieser Menschen wahnsinnig nennen. Man kann, man muss sich fragen, was in der Psyche eines Menschen kaputt gegangen ist, dass er bereit ist, diesen Schritt zu vollziehen. Man kann, man muss die menschenverachtende Ideologie hinterfragen, die solche Taten hervorbringt.

Aber ich kann NICHT nachvollziehen, wie dieselben Journalisten, die in irgendwelchen transatlantischen Sicherheits-Verbindungen tätig sind, jetzt diese Menschen „feige“ nennen. Diese Journalisten, die sich dafür, dass sie „mit dabei sein dürfen“ an die mächtigen Kriegstreiber und -profiteure heransschmeicheln, ohne an dieser wichtigen Stelle mal die richtigen, schmerzhaften Fragen zu stellen und natürlich zu veröffentlichen, die nenne ich „feige“.

Dieselben Politiker, die sehr schnell leise werden, wenn man sie fragt, was sie denn dagegen tun wollen, dass ihr Lieblingsverbündeter, die USA, von Ramstein aus Drohnenmorde koordinieren. Diese Politiker nenne ich „feige“

Und wenn der Terrorist, der, wenn er die Tür hinter sich schließt genau weiß, dass er die Sonne nie wieder sehen wird, „feige“ genannt wird – wie sollen wir denn dann den pflichtbewussten Soldaten, der in seiner klimatisierten Drohnensteuerungsanlage auf „OK“ klickt, wenn sein Algorithmus ihm sagt, dass der Pixelhaufen auf dem Display ein Terrorist ist, nennen? Der Soldat, der nach Dienstschluss aus seiner Kammer steigt, nach Hause fährt, zu Frau und Kindern? Der gerade mit einem Mausklick mehrere Menschen auf der anderen Seite der Welt getötet hat, und nicht mal in die Gefahr geriet, sich den Knöchel zu verstauchen? Sollte man das nicht „feige“ nennen?

 

Es gibt natürlich durchaus einen Aspekt am Selbstmord-Terrorismus, der „feige“ genannt werden kann. Nämlich die Tatsache, dass Terroristen sich arglose Gegner aussuchen. Menschen, die in keinster Weise kampfbereit sind, die in diesem Moment im Waffenvergleich völlig unterlegen sind.

Also genau das gleiche, was wir in Afghanistan, Jemen, Irak, Syrien, Libyen und an zig anderen größeren und kleineren Brandherden machen.

Wer ist hier der größere Feigling?

Dortmund, 151114_1430

B.

 

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Terrorismus in unseren Städten – Unheilige Einigkeit #ParisAttacks

Neben der Bestürzung über die Opfer von Paris packt mich eine kalte, ohnmächtige Wut.

Es kotzt mich an, dass die Terroristen ihr Ziel erreichen. Wir sind sofort bereit, vieles von dem, was wir sonst hoch und heilig unsere „Werte“ nennen, über Bord zu werfen. Religiöse Fanatiker tun das nie. In diesem Spiel gewinnen sie immer, wir verlieren immer.

Es kotzt mich an, dass Kryptofaschisten in Europa diesen Horror als Vehikel verwenden, um gegen Flüchtlinge zu hetzen. Genau dieselben Flüchtlinge, die vor genau diesem Terror fliehen.

Es kotzt mich an, dass, so sicher wie das Amen in der Kirche, unsere Sicherheits-Politiker und die allgemeine Öffentlichkeit nach diesen Taten nach der üblichen Medizin schreien werden. Mehr Überwachung, mehr Kontrollen, mehr Einschränkungen der Freiheit. Obwohl all das erwiesenerweise sinnlos ist.

Es kotzt mich an, dass in Folge dieser Geschichte die Geschäfte bestimmter Firmen und Konzerne noch mehr boomen werden. Hersteller von Sicherheits-Equipment. Waffenhersteller. Armee-Kontrakteure. Söldnerfirmen. Es gibt so viel an Angst zu verdienen …

 

Nein, es gibt keine bewiesenen Allianzen zwischen Terroristen, Faschisten, Sicherheitsesoterikern und -profiteuren. Aber ihre Interessen überschneiden sich. Sie gewinnen. Alle anderen verlieren. Und bleiben ohnmächtig am Boden …

Dortmund, 151114_1330

B.

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